
20.08.2010
GOC Professionals "World Series" Standard 2010
Ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
GOC Professional Standard Auf der Fläche Hui am Rande Pfui
Es gibt Veranstalter die Zuschauern bei nicht angemessener Garderobe den Eintritt verwehren. Dabei wird kein Unterscheid gemacht, ob es sich um Freund oder Feind handelt. Auch ist unerheblich, ob das Fernsehen zugegen ist oder nicht. Einzig und alleine wird hier der Etikette ein wertvoller Dienst erwiesen.
Bei Nichtbeachtung Ausweisung ohne Ausnahme!
Was im Fußballstadion das Fan-Trikot und der Fan-Schal, ist Im Beethoven-Saal der Anzug und die Krawatte. Niemand würde sich mit einem Anzug in die Fan-Kurve setzten, ebenso wenig würde man den Beethovensaal zur Abendveranstaltung mit zerrissener Jeans und T-Shirt betreten, oder etwa doch?
Das bedeutendste Tanzturnier der Welt, neben Blackpool, scheint in ein reines Sportturnier abzurutschen. Die einzigen Krawattenträger im Saal sind der Turnierleiter, die Wertungsrichter und die Herren in den vordersten Sitzreihen. Möchte man seinen Sitzplatz erreichen erwartet einem ein wahrhaftiger Spießrutenlauf. Erste und schwierigste Hürde scheint das Erreichen des Flächenrandes zu sein. Hunderte nicht genügend austrainierte Tänzer versuchen ihr Versäumnis nachzuholen und trainieren ohne Rücksicht auf Verluste im Vorraum des Saales, welcher zugleich einziger Zugang zu den Sitzplätzen darstellt. Zum Glück ist dieser Bereich nicht ausgeleuchtet, da jede Ecke als Abfalleimer für leere Getränkedosen, Bananenschalen etc. benutzt wird. Den meisten unter temporäre Demenz leidenden Tänzer kann natürlich kein Vorwurf gemacht werden, dass sie nach ihrem Ausscheiden ihre eigenen Ausscheidungen einfach vergessen. Am Sitzplatz angelangt wird man bereits von pöbelnden Individuen erwartet die nur widerwillig über die Sitzflächen noch unbenutzter Plätze stiefeln um diese erneut in Beschlag zu nehmen.
So werden mit Sicherheit Jahr für Jahr immer mehr Zuschauer und Förderer der schönen Künste der GOC fernbleiben, bis am Ende nur noch der Turnierleiter und die Wertungsrichter, welche einem Dress-Code unterliegen, an die einstige elegante Kunstform Tanz(sport) erinnern.
1.Platz Mirko Gozzoli & Edita Daniute
Das zu Zeit beste Standardpaar Europas siegt unangefochten und greift nach den Sternen. Der ehemalige Amateur- und Profiweltmeister will es noch ein mal wissen. Mit seiner neuen jungen Partnerin Edita Daniute zeigt er bereits eine unheimliche Bewegungsharmonie. Edita ist im Vergleich zur Vorgängerin um ein vielfaches Ausdrucksstärker. Einzig die Geschlossenheit im Paar weist noch Schwächen auf. Der nächste Schritt zum besten Paar der ganzen Welt ist also nur noch ein ganz kleiner.
2.Platz Domenico Soale & Gioia Cerasoli
Die einstigen Amateurweltmeister und Publikumslieblinge der GOC haben viel ihrer sprühenden Lebendigkeit und Jugendlichkeit eingebüßt. Ihr Lachen wirkt einstudiert und aufgesetzt; ihre Bewegung ist zwar perfekt aufeinander abgestimmt, jedoch ist über die letzten Jahre keinerlei Weiterentwicklung sichtbar. Ich wünsche diesen jungen talentierten Tänzern möglichst schnell eine neue Quelle der Inspiration, damit sie vielleicht schon bei der GOC 2011 das Publikum wie früher wieder von den Sitzen reißen können.
3.Platz Sascha & Natascha Karabey
Unsere Deutschen Meister tanzen von Erfolg zu Erfolg. Bei den Amateuren oft als zu langweilig beschimpft haben sie sich bei den Profis erst richtig entfalten können. Ihr ruhiger klassischer Tanzstil hebt sich angenehm von den vielen kämpfenden Gladiatoren um sie herum ab. Ein zweiter Platz wäre an diesem Abend keine große Überraschung gewesen, aber wir sind ja in Deutschland und da möchte man sich natürlich nichts nachsagen lassen. Natascha war in diesem Feld die einzig wirkliche Dame. Ihre Eleganz und ihr Selbstbewusstsein verleiht dem Paar ein Hauch von Glamour längst vergangener Zeiten.
4.Platz Valerio Colantoni & Yulia Spesivtseva
Die Shooting Stars der Profiszene flogen förmlich durch das Feld und zogen alle Blicke auf sich. Ihr erstes gemeinsames Turnier, das „Blackpool Rising Star“, konnten sie sofort gewinnen. Und im Hauptfeld schafften sie es im Quickstep sogar zu einem unglaublichen 7.Platz. Dieses Paar bringt alles für eine große Karriere bei den Profis mit. Wundervolle Shapes gepaart mit einer weichen fließenden Bewegung. Für mich bereits jetzt ansprechender und ausdrucksstärker als seine Landsleute Soale/Cerasoli.
5.Platz Eldas Dzhafarov & Anna Sazhina
Die Jungprofis aus Aserbaidschan feierten ebenfalls einen bravourösen Einstand im Profilager. Bei allen großen „Rising Stars“ (International/UK/Blockpool) erklommen sie das Treppchen. Der 5. Platz im Finale eines „World Series“-Turnier war somit ein weiterer Meilenstein in ihrer noch jungen Karriere und wurde ihnen nicht leicht gemacht. Ihr Finalplatz war keineswegs zwingend. Ebenso gut hätte ich mir die „GOC Rising Star“- Sieger des vergangenen Jahres Rüdiger Homm und Viktorija Triscuka auf diesem Finalplatz vorstellen können. Haarscharf verpassten sie um ein Kreuz das Finale und belegten den undankbaren 7.Platz.
6.Platz Kota & Nami Shoji
Das japanische Paar zeigte stilistisch hervorragende Ansätze. Der in Japan favorisierte „Englische Stil“ liegt ihnen im Blut. Leider vermisse ich grundsätzlich bei allen japanischen Paaren eine gewisse Bodenhaftung, eine Sattheit, die nur durch ein druckvolles benutzen der Standbeine gelingt. So wirkt es Phasenweise wie ein wandeln über die Gewässer, anstatt tief einzutauchen.
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