ISDF Latein, Berlin 22.März 2008
Bericht und Paarkritik von Anne-Lore Zimmermann, Freilassing
Beim Beobachten des IDSF Lateinturnieres am Ostersamstag erhoben sich wieder einige Fragen, die mich schon recht lange beschäftigen:
Warum sehe ich so viel Talent unter den Tänzern und Tänzerinnen, so viel gute und abwechslungsreiche Choreographie, unterschiedliche und interessante Dynamik, also alles, was der Zuschauer und Wertungsrichter sehen will… und so wenig Persönlichkeit, Charakter und Eigenheit des Ausdrucks ? Wieso wird mir ein solches Turnier immer langweiliger anzuschauen, je länger ich hinschaue und desto mehr sich die besseren Paare auf der Fläche befinden ? Liegt es daran, dass ich müde werde, oder dass die Paare mit der Zeit ausgelaugt sind, oder daran, dass die Perfektionierung der Bewegungen jegliche Spontanäität, jede Persönlichkeit und jede Individualität tötet ?
Dieses Turnier war wieder einmal ein glänzendes Beispiel dafür, wie großartiges sportliches und künstlerisches Potential sich zu perfektionierter Gleichförmigkeit entwickeln kann.
Aber nun zu den Paaren des Finales:
Jesper Birkehoj-Anna Kravchenko zeigten von Anfang an perfekte Technik und meisterhaft kontrollierte Bewegungsabläufe. Besonders aufgefallen ist ihre Fähigkeit, genau einzuschätzen, wie viel Energieeinsatz notwendig ist, um eine bestimmte Strecke zu vertanzen, anderen Paaren gekonnt auszuweichen und selbst dabei auszusehen, als sollte das alles genau so sein. Dabei habe dich die beiden schon lange nicht mehr so motiviert tanzen sehen. Ein klarer und verdienter Sieg ! So gut und natürlich Anna auch wirkt, sie hat einen ungünstigen Körperaufbau in einem Teil ihrer Wirbelsäule, der sie langsamer macht als viele andere Damen, dafür hat sie jedoch auch Qualitäten entwickelt, die vielen ihrer Konkurrentinnen noch fehlen, z.B. ausgezeichnete Beine und Füße.
Von den Paaren auf den nachfolgenden Plätzen, war mir in den Runden vorher Nr. 23 Martino Zanbellato und Michelle Albitrup (Dänemark) aufgefallen. Sie waren in ihren Bewegungen leicht und selbstverständlich und hatten Charisma. Sie gaben alles und verloren trotzdem ihren Rhythmus und ihr Feingefühl nie. Im Finale allerdings ließ auch hier die Intensität der Konzentration nach und somit verlor sich auch die Charakterisierung der Tänze, die in den vorherigen Runden so deutlich ihre Stärke war. Vielleicht hielt die offene Wertung auch nicht, was sie sich versprochen hatten.
Nr. 67 Fedor Polyanski- Anastasia Grobonosova (Russland) verfügten über eine deutliche Präsenz auf der Fläche, vor allem durch ihre auffällige und sehr geschmackvolle Wahl der Kleidung. Gelegentlich wurden ihre klaren und raumgreifenden Bewegungen jedoch durch zuviel Kraft und Anstrengung, besonders des Partners beeinträchtigt und leider zeigte das geschmackvolle vorher hellgraue Kleid auch eine zunehmend schmutzig-braune Färbung, was ebenfalls den starken Gesamteindruck trübte.
Nr. 68 Yury Simachev-Angelina Sibaeva (Russland) waren von Anfang an mit dem unbedingten Willen unterwegs, vorne mit dabei zu sein und dabei kam eine zu kraftvolle, zuweilen eher ruppige, für mich nicht überzeugende Performance heraus. Zwischendurch überzeugten sie aber durch sehr gute Geschwindigkeiten.
Nr.73 Jevgenijs Suvorovs-Andrea Zelinkova (Lettland) zeigten große Geschlossenheit im Paar, kein Spektakel, eine saubere tänzerische Leistung, an der nichts falsch, aber auch nichts wirklich interessant war. Das Paar hat sich nicht aufgedrängt, blieb aber mein Blick daran hängen, tanzte es immer sehr sauber und balanciert. Im Finale fiel mir ein sehr gutes Zentrum im Cha-Cha bei beiden auf.
Nr.69 Herzlichen Glückwunsch an Gennady Bodarenko und Elena Zverevshikova aus Hannover, die sich sichtlich über das Erreichen dieses Finales gefreut haben und die dieses verdienterweise durch eine gute Performance und das notwendige Durchstehvermögen erreicht haben. Sie haben sich ständig angeboten. Präsenz, Energie und Charisma sind da, gearbeitet werden muß an der körperlichen Durchlässigkeit und besseren Differenzierbarkeit der Bewegungen bei beiden Partnern.
Nr.33 Evgeny Firsov - Anna Lapteva (Russland)
Emotionales und klares Tanzen hat die beiden ins Finale gebracht, aber auch hier fehlten mir Inspiration und Risikobereitschaft.
Insgesamt war es deshalb auch relativ unwesentlich, wer nach dem Sieger welchen Platz belegte. Dieses Urteil wurde durch die Wertungen auch wiedergespiegelt.
... zurück zu den Turnierberichten




... hier geht es zum Videobericht vom "Blauen Band der Spree" IDSF Latein