
08.11.2008
Deutsche Meisterschaft Professionals Kür Standard & Latein
Ein Bericht von Heiko Kleibrink
Mehrfacher Deutscher Meister Professional Standard
Mehrfacher Deutscher Meister Professional Kür Standard
DM-Kür Standard & Kür-Latein in Dresden
Die " Dresdner Welttanzgala" gehört zu Deutschlands Spitzenveranstaltungen in punkto Tanzsport.
Zum 8. Mal richtete das erfahrene Ausrichterteam der Tanzschule Lax das Dresdner Großereignis aus.
Über 800 tanzbegeisterte Dresdner und Schlachtenbummler sorgten für eine fantastische Stimmung in dem wunderschön dekoriertem Congress-Center Dresden.
Damit knüpfen Tassilo und Sabine Lax an die langjährige Tradition des "Dresdner Tanzfestivals" an. Das von Werner und Elfriede Graf noch zu DDR-Zeiten ins Leben gerufen wurde. Diese, bei den Dresdner Bürgern und Turniertänzern gleichermaßen beliebte Tanzveranstaltung fand im Jahre 1999 zum 30. aber auch zum letzten Mal statt. Zu Ehren und Erinnerung des Tanzlehrerehepaars Graf, haben sich Tassilo und Sabine Lax etwas ganz besonders einfallen lassen. Erstmalig wurde der Werner und Elfriede Graf Award im Rahmen der 8. Dresdner Welttanzgala verliehen. Dieser Award ist ein Publikumspreis für das beliebteste Turniertanzpaar des Abends. Unangefochten konnten Boris und Madeleine Rohne diesen Award mit nach Leipzig nehmen.
Deutsche Meisterschaft Kür Standard
Das erste Turnier des abends war die Deutsche Meisterschaft Kür Standard. Nur ein einziges Paar der Kür-Meisterschaft 2007 ging erneut an den Start. Durch die Abwesenheit der amtierenden Standard Meister war der Ausgang an der Spitze sehr ungewiss. Vier Final-Paare der Deutschen Standard Meisterschaft 2008 gingen an den Start und zählten somit zum engeren Favoriten-Kreis. Insgesamt gingen sieben Paare an den Start.
Bei den Paaren Mario Schiena und Sabiene Sommer (7. Platz) sowie Marc Hotfielder und Heike Macke (6. Platz) konnte man noch eine starke Unsicherheit während des gesamten Vortrags erkennen, welche sich auf das Publikum übertrug. Wobei die gewählte Musik von Mario und Sabiene aus dem Kinohit "Shall we dance" durchaus Potential hat. Leider war die tänzerische Leistung zu schwach aus der sich die Kunst entwickeln sollte.
Die einzige Kür, die diesen Namen nicht verdient hat war die Darbietung von Marc und Heike. Ohne Ideen und Pepp waren die nicht vorhandenen Übergänge gestaltet. Und wenn dann die tänzerische Leistung noch zu wünschen übrig läßt, sollte man es lieber sein lassen.
Anton Nazarov und Kati Engelking (5. Platz) zeigten zu dem Thema "Die Maske" ein Feuerwerk humorvoller Einlagen. Die künstlerische Darstellung überragte leider bei weitem ihre tänzerische Qualität. Somit blieb es ihnen versagt, trotz fantastischer Kür, in die Medaillen-Vergabe einzugreifen.
Wie im Vorfeld bereits erwartet, machten die vier Finalisten der DM Standard 2008 die ersten viel Plätze unter sich aus.
Zu den schönsten Melodien von Udo Jürgens zeigten Oliver Thalheim und Tina Spiesbach (4. Platz) eine sehr gefühlvoll getanzte Kür. Sie ließen alle Höchstschwierigkeiten sehr leicht aussehen. Künstlerich für mich eine der schönsten Küren dieser Meisterschaft. Leider aber auch sehr langweilig vorgetragen. Vielleicht sollte man lieber ein Kür-Thema wählen, welches die Facetten eines Tänzers heraus kitzelt, die man noch nicht sein eigen nennt.
Publikums-Lieblinge waren nicht zuletzt aufgrund des gewählten Themas "Mamma Mia" Stanislaw Massold und Christine Deck (3. Platz). Mit einer meisterlichen Präsentation bewegten sie das Publikum zum mitklatschen.
Tänzerisch mit das Beste des abends, trotzdem nicht gut genug für ihr Niveau. Zu stark tanzte Stanislaw den gesamten Vortrag in Rücklage. Dadurch ging komplett die Weichheit der Bewegung und die Flexibilität des Rückens verloren. Ich hatte mir von den beiden etwas mehr erhofft.
Die Lokalmatadoren Boris und Madeleine Rohne (2. Platz) waren zugleich das erfahrenste Kürpaar des Abends. Wohl wissend, dass die anderen drei Paare des DM Finales tänzerisch überlegen sind, legten sie alles in die künstlerische Darbietung ihres Themas "Romeo und Julia". Ohne Zweifel war dies die beste künstlerische Darbietung des Abends und wäre eines Meisters würdig gewesen. In der B-Wertung bekamen sie von mir die einzige 6.0, die ich in diesem Turnier vergeben habe. Um die Magie dieser Wertung nicht zu zerstören, sollte man sie nicht zu häufig gebrauchen!
Die Überraschung des Abends boten Simon Reuter und Julia Niemann (1. Platz). Mit ihrem Thema "Emotion" lösten sie ein Wechselbad an Gefühlen in mir aus. In ihrer Darbietung schafften sie es das Publikum einzufangen und mit auf eine emotionale Reise zu nehmen. Mit einigen genialen Momenten überzeugten sie die Majorität der Wertungsrichter und fast auch mich. Leider löste Julia gar keine Emotions bei mir aus. Durch ihren festen Rücken machte sie es Simon sehr schwer in seinem schönen Outfit locker zu bleiben. Alles sollte im Fluss sein und davon ist Julia noch weit entfernt. Bei intensiverer Ausarbeitung könnte diese Kür aber international sehr erfolgreich werden.
Deutsche Meisterschaft Kür Latein
Die Deutsche Meisterschaft Kür Latein endete mit dem Hattrick für Erdmann/Latton
Insgesamt gingen 8 Paare an den Start.
Marco Randel und Stefanie Blob (8.Platz) vertanzten das Thema "Burn the Floor". Bis auf die ausgewählten Musikstücke war an dieser Darbietung alles Langweilig. Auffällig waren die vermehrt im Latein-Turnier auftretenden vergrößerten Mägen der Herren. Dies ist aber eher ein ästhetisches Problem.
Eine sehr schöne Kür-Idee zeigten Ricardo de Freitas und Diana Rosa Reinig (7.Platz). Mit ihrem "Letter to Brasil" tanzten sie sehr clever unter anderem zu Geräuschen einer Schreibmaschine eine witzige Choreografie.
Künstlerisch genial, aber tänzerisch fehlt mir von beiden das Volumen in ihrer Bewegung.
Ebenfalls sehr innovativ und musikalisch sehr filigran umgesetzt war das Thema " Now" von Frederico Selementis und Stephanie Thoms (6.Platz). Schade nur, dass Stephanie eine sehr ausdrucksstarke Dame ihren Partner komplett übertanzt. Das könnte eine richtige Knaller-Kür werden, wenn Frederico noch ganz hart an sich arbeitet.
Obwohl Malagena als Titel schon sehr abgegriffen ist schafften es Dennis Tischmacher und Melissa Ortiz-Gomez (5.Platz) das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Beide tanzten mit sehr viel Gefühl. Leider blieb die anfängliche positive Spannung der Kür nicht bis zum Ende erhalten. Es fehlte der Klimax zum Schluss hin, der die Massen aufspringen lässt.
Kein direkter Antiklimax, jedoch ein zu eintöniges Dahinplätschern nach ihrem starken Beginn zeichnete die Kür von Anton Ganapolsky und Nataliya Magdalinova (4.Platz) aus. Mit ihrer sehr guten Musikauswahl und einer soliden tänzerischen Leistung schufen sie die Grundlage für eine hohe Platzierung. Warum fangen alle Paare mit einem Knaller an und am Ende sind sie am Ende???
Unser Allround-Paar Boris und Madeleine Rohne (3.Platz) bestach wie im Standard-Turnier mit ihrer enormen Ausstrahlung. Eine auf die Musik 100 Prozent abgestimmte Choreografie mit sehr schönen Lifts. Auch hier musste ich bis dato die einzige 6,0 in der B-Note ziehen. Tänzerisch gesehen gibt es aber noch einiges zu tun.
"Diamonds are the girls best friends" war vielleicht der Grund der Niederlage. Martin Schurz und Sofia Bogdanova (2.Platz) waren absolut gleichwertig zum späteren Sieger. Ausdrucksstark, musikalisch und tänzerisch zeigten sie mit das Beste des Abends. Aber diese durchgenudelte Musik kann doch kein Mensch mehr hören. Schade, Schade.
Die alten und neuen Deutschen Meister heissen Stefan Erdmann und Sarah Latton. Sie mussten als Letzte auf das Parkett. Ein immenser Druck, den die Beiden super bewältigten. Ihr Thema "Act of Rhythm" war innovativ und sehr energetisch vorgetragen. Ihre meisterliche Ausstrahlung half ihnen auch sicher über einige tänzerische Engpässe hinweg. Für mich die verdienten Deutschen Meister. Wobei anzumerken ist, dass ich bei keinem Paar in der A-Note eine 6.0 vergeben konnte. Ausdruck und Musikalität wird aber umso stärker, je besser meine Technik ist!
Alles in allem kann der DPV sehr zufrieden sein mit dem Engagement der jungen Profi-Paare. Eine Kür beansprucht viel Zeit, kann zugleich aber sehr befruchtend für die Performance " normalen" Turniere sein.
Alle Paare sind auf einem sehr guten Weg und einige werden den Sprung in die Weltspitze der Kürtänzer mit Sicherheit schaffen.
Liebe Grüße Heiko

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