
20.09.2008
Landesmeisterschaft S-Standard, Hessen
Ein Bericht von Sascha Karabey
Deutscher Meister Amateure Standard 1999 - 2006
Vizeweltmeister Amateure Standard 2005 - 2006
Deutscher Meister Professional Standard 2007
Hessische Meisterschaft Hauptgruppe S-St. in Wetzlar:
Allgemein:
Es war eine schön ausgerichtete Meisterschaft durch den Schwarz-Rot-Club
Wetzlar. Zahlreiche Besucher waren erschienen, um die hessischen
Spitzenpaare zu Bestaunen und wurden nicht enttäuscht, denn die
Landesmeisterschaft Hauptgruppe S-Standard war ein äusserst interessantes
Turnier, mit einer hohen Leistungsdichte auf den vorderen Plätzen. Ich
möchte bei der Beurteilung der Paare vorausschicken, dass es sich um meinen
subjektiven Eindruck handelt, und dass ich keinem persönlich zu nahe treten
möchte.
1. Platz
Stefan und Juliane Klebsch (11111)
Stefan und Juliane waren kurzfristig zum HTV gewechselt und gingen bei ihrer
ersten Hessischen Meisterschaft vollkommen unbeschwert an den Start.
2. Platz
Adrian Klisan und Johanna Elisabeth Hahn (22222)
Adrian und Johanna waren die designierten Titelaspiranten und mussten trotz
starker Leistung ein weiteres Mal mit dem Vizemeistertitel vorlieb nehmen.
Beide Paare lieferten sich einen Zweikampf auf höchstem Niveau und es wurde
ein spannendes Finale, denn beide Paare schenkten sich nichts. Die
Leistungen lagen weitaus näher, als es die klare Platzziffervergabe
auszudrücken vermag.
Adrian und Johanna tanzten völlig frei und vollkommen unbeeindruckt im
Angesicht der neuen Konkurrenz ein sehr gutes Turnier. Hochmotiviert von
ihrem sehr guten Abschneiden auf der German Open in Stuttgart, gingen sie in
Wetzlar vom ersten Tanz selbstbewusst auf die Fläche und tanzten ihre
Stärken aus. Adrian und Johanna sind ein sehr austrainiertes Paar, das
meiner Meinung nach einen sportlichen Tanzstil bevorzugt und grossen Wert
auf schöne Bodylines und grosse Shapes legt.
Im Vergleich dazu zeigten Stefan und Juliane Klebsch ein eher dezenteres
Auftreten, produzierten weiche Bewegungsabläufe gepaart mit einer filigranen
Stilistik, und die Wertungsrichter gaben diesem Vortrag am heutigen Tag den
Vorzug.
Beide Paare tanzten ein sehr konstantes Turnier mit ausgeglichener Leistung
über alle 5 Tänze. Streng genommen stelle ich die Behauptung auf, dass ein
Paar, das die Stärken beider Paare auf sich vereinen könnte, ein sicherer
Finalaspirant einer Deutschen Meisterschaft sein müsste.
3. Platz
Björn Langpaap und Anna Korbutt (33333)
Björn und Anna gingen gesundheitlich ein wenig angeschlagen in diese
Meisterschaft.
Obwohl sie noch nicht so lange miteinander tanzen, zeigen sie Ansätze und
Potential, die sie im Rennen um den Titel ohne weiteres mithalten lassen
könnten. Umso bedauerlicher, dass sie es am heutigen Tag nicht konstant
abrufen konnten. In einem Augenblick sehen die beiden aus, als könnten sie
gewinnen, im anderen Moment brechen sie ein.
Das Zauberwort ist und bleibt Konstanz und sich die Konstanz zu erwerben,
und sie vor allem auch im Turnier zu zeigen unter allen möglichen
Bedingungen, ist eine grosse Herausforderung und ist nur mit Zeit und Fleiss
zu bewältigen.
4. Platz
Dan Koschier und Julia Katharina Beyer (44554)
Dan und Julia sind ein hübsches Paar, dass noch nicht vollständig zueinander
gefunden hat. Im einen Moment sieht man was daraus werden kann und im
nächsten Moment offenbaren sie grundlegende Mängel. Manchmal frage ich mich
was sie sind? Nicht Fisch, nicht Fleisch. Ihr habt all das Talent und die
Möglichkeit den Paaren vor Euch einzuheizen, aber nehmt es bitte nicht zu
leicht. Ihr müsst Euch in allen Bereichen weiter entwickeln, um die Paare
vor Euch herausfordern zu können. Es gibt viel zu entdecken: Gebt Euch nicht
damit zufrieden Euren Status zu erhalten. Eure Performance war zu leise und
ihr müsst alle Regler aufdrehen, wenn ihr weiter nach vorn angreifen wollt
5. Platz
Sascha Wakup und Ann Kathrin Bechtold (55445)
Als ich das Eintanzen beobachtet habe, habe ich gedacht: „Wow, mit den
beiden wird heute zu rechnen sein“. Das Eintanzen versprach einen sehr
energetischen Vortrag und da man beim Eintanzen nur kurze Sequenzen sieht,
war ich erstaunt und positiv auf die beiden eingestellt. Als dann das
Turnier kam, sah ich, dass sie ohne weiteres in der Lage sind zur Not auch 2
Minuten mit dem gleichen Anspruch zu tanzen. Nur dass es für mich zu
forciert bzw. zu gewollt war. Sie tanzen getreu dem Motto „Viel hilft Viel“,
d.h. in diesem Fall: (zu)hohe Energie, (zu)hohe Geschwindigkeit, (zu)viel
Geschwindigkeit, (zu) forcierte Bewegungsabläufe. Ein bisschen was von allem
und vor allem ein bisschen mehr Abwechslung würde den beiden helfen, ihr
Potential mehr auszuschöpfen, denn beim Eintanzen ging es ja auch.
6. Platz
Serkan Öztürk und Anastasia Pukhova (66666)
Auch hier haben wir ein Paar, dass mit viel Talent ausgestattet ist, hübsch
ist und hier und da glanzvolle Momente zeigt. Aber auch für Euch ist das
Zauberwort: Konstanz!!!!! Es nutzt nicht Trainingsweltmeister zu sein,
sondern man muss die Leistung auch mal unter widrigen Umständen bringen
können und darf nicht in alte Fehlermuster verfallen.
Checkt Eure Haltung und Euer Timing und dann ergibt sich die Chance bei den
nächsten Turnieren auch mal das Ergebnis ein wenig durcheinander zu wirbeln.
Abschliessend wünsche ich mir, dass sich alle Paare mehr mit den Fragen nach
dem WIE, WARUM und WANN auseinandersetzen, als mit der Frage nach WIEVIEL?
Wenn man richtig schön Standard tanzen will, dann muss man es studieren und
es kostet Zeit und Besessenheit. Ihr braucht den entsprechenden Willen und
müsst danach Streben, Eure Bewegungsabläufe zu koordinieren und in Einklang
bzw. Harmonie mit Euren Partner(inne)n und der Musik zu bekommen. Dann wird
beim nächsten Mal alles besser, und als Bonus vielleicht noch Euer
Ergebnis...




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