
20.09.2008
Landesmeisterschaft S-Standard, Rheinland Pfalz
Ein Bericht von Peter Müller
Europameister 10 Tänze Professionals
Ergebnis
Simone Segatori und Annette Sudol - Koblenz-Neuwied - 1.Platz
Andrei Scrab und Sabine Vorbrodt - Altendiez - 2.Platz
Dominique und Sonja Fara - Landau - 3.Platz
Jörg Gutmann und Isabell Mattes - Mainz - 4.Platz
Dr. Michael Junges - Sabine Scheller - Ludwigshafen - 5.Platz
Peter Liebsch - Dörte Najaf Zadeh - Kirchheimbolanden - 6.Platz
Auch dieses Jahr wurde ich wieder gebeten, eine Paarkritik für diese Landesmeisterschaft zu verfassen. Ich würde es jedoch vorziehen, das Ganze als Turnierbericht zu bezeichnen.
In diesem Fall möchte ich mir auch erlauben, das Turnier aus meiner Sicht zu bewerten, was aber nicht bedeuten soll, daß meine Meinung die einzig richtige wäre.
Die Wertungen eines Wertungsrichters sind nun mal nicht einfach in richtig oder falsch einzuordnen. Es gibt viel Spielraum für den persönlichen Geschmack.
Aus meiner Sicht wird jedoch zu sorglos mit den Leistungen der Paare umgegangen.
Wir Wertungsrichter tragen aus meiner Sicht die größte Verantwortung für die Entwicklung unseres Sportes, denn die Paare orientieren sich selbstverständlich an denen, die besser als sie abschneiden.
Deshalb sollte es auch bei uns möglich sein, Kritik an den Wertungsrichtern zu äußern (wie beim Fußball oder Eiskunstlauf an den Schiedsrichtern).
Hier möchte ich einen meiner Kollegen zitieren, der einmal sagte:
"Neben den offiziellen gibt es noch 100 andere Bewertungskriterien"
Zweifellos vorhandenes Talent wird vor gediegene Qualität gestellt, nur weil man das Potential für spätere Jahre sieht.
Dynamisches durch die Gegend rennen wird vor Fußarbeit, Koordination und Haltung gewertet. In den vorhergehenden Turnieren des Abends wurden zweifelhafte Entscheidungen zu Gunsten von Paaren getroffen, die sich zwar ausgezeichnet, aber leider aus dem Takt bewegt haben.
Auch der spätere Landesmeister der S-Standard konnte darüber nur den Kopf schütteln. Einige Wertungsrichter betrachten offensichtlich den Nachnamen ebenfalls als einen der 100 inoffiziellen Gründe, Kreuze verteilen zu können.
Die Paare lassen sich diese Verhaltensweise nicht mehr so einfach gefallen. Das ist sicherlich nicht der einzige, aber mit ein Punkt warum so viele Paare aufhören.
Wie schon angekündigt, werde ich das Turnier aus meiner Sicht bewerten und die Platzierung des Paares hinzufügen.
Simone Segatori und Annette Sudol - Koblenz-Neuwied - 1.Platz
Outstanding in allen Belangen!
Ausgezeichnete Füße und Fußarbeit ergeben ein natürliches Maß an Fortbewegung, bei der kein anderes Paar mithalten konnte. Sanfte, fließende Bewegungen als ob der Boden aus Samt bestünde. Erinnerte mich an ein Zitat von Bill Irvine: "No Feet, No Flight"
So kann man sich nur mit richtiger Technik bewegen. Einfach genial !!!
Eine Haltung die für alle Paare als Vorbild zu betrachten ist. Leider habe ich nicht bei Allen das Gefühl, daß sie sich die Beiden zum Vorbild nehmen.
Für Simone´s Ellenbogen könnte man töten (Zitat Geoffrey Hearn: Ellenbogen knapp unter der Schulterlinie) und Annette eine perfekte, hingebungsvolle Dame, die Simone in allem folgt.
Die neuen "Deutschen Meister", das Jahr dazu werden wir noch erfahren !
Dominique und Sonja Fara - Landau - 3.Platz
Für mich klare Zweite.
Gute Füße, guter Stand zueinander, musikalisch, saubere Haltung.
In allen Belangen nicht ganz so perfekt und konstant wie die Sieger, aber die Qualität ist unübersehbar. Lediglich im Quickstep wollte es Dominique beim Stand von 2:2 mit der Brechstange erzwingen und - verlor. Schade, aber die 4 Tänze zuvor hätten klar zu Ihren Gunsten ausgehen müssen.
Andrei Scrab und Sabine Vorbrodt - Altendiez - 2.Platz
Zweifellos ein äußerst talentiertes Paar, dem die Zukunft offen steht. In Koordination und Dynamik sicherlich zweitbestes Paar, aber in Technik und Fußarbeit noch nicht auf dem Niveau der vorher beschriebenen Paare. Auch steht Sabine zu oft im Bild rechts und ist vom Ausdruck noch zu schüchtern und zurückhaltend. Für mich klare Dritte und hätten durchaus ein paar Vieren
kassieren können.
Jörg Gutmann und Isabell Mattes - Mainz - 4.Platz
In Ihrer Bewertung ebenso klar wie die Sieger, hätten aber durchaus ein paar Dreien verdient.
Stark verbessert in allen Bereichen. Ausdauer, Agilität und Fußarbeit sind die Bereich, die noch verbesserungswürdig sind.
Insgesamt würdige Vierte ohne eine Wertung nach unten abzugeben.
Aus meiner Sicht geteilte 5.-6.
Claus Micka und Solveig Geisinger - Mainz - 7.-8. Platz
Christian Cantzler und Melanie Bauernhansl - Landau- 9.Platz
In beiden Paaren von der Qualität noch klar dominierende Damen, beide mit einer super Topline, guter Koordination, Solveig mit etwas besseren Füßen.
Beide Herren haben sich seit der letzten Meisterschaft immens entwickelt, zweifeln aber leider zu sehr an sich selbst. Beide mit guten Armen, aber der Bereich der Halswirbelsäule ist noch nicht in der optimalen Position. Christian muß mehr Aufmerksamkeit auf seine Fußarbeit legen.
Mein Semifinale:
Dr. Michael Junges - Sabine Scheller - Ludwigshafen - 5.Platz
Michael ist ein "alter Hase" mit viel Turniererfahrung, fundierter Technik und guter Koordination, Sabine passt in allen Belangen hervorragend zu ihm.
Beide haben jedoch erhebliche Probleme mit ihrer Haltung und Ausdauer, weshalb sie für mich kein Finalpaar waren.
Peter Liebsch - Dörte Najaf Zadeh - Kirchheimbolanden - 6.Platz
Beide haben sich im letzten Jahr verbessert, das Outfight geschmackvoll.
Dennoch liegen Fußarbeit und Haltung noch im Argen. Peter klemmt sich seine Schwester zu sehr unter den Arm, so daß sie sich kaum selbst bewegen kann.
Die Knie sind zu steif, dadurch sehen die Bewegungsabläufe etwas grobkoordiniert aus. Mehr Arbeit mit Knien und Füßen, eine geschlossenere linke Seite von Peter würden Ihr Tanzen erheblich verbessern.
Der undankbare letzte Platz aus meiner Sicht:
Joachim und Nadine Burgard - Trier - 7.-8. Platz
Als, meines Wissens, frischestes Paar in der S-Klasse hatten sie natürlich einen schweren Stand. Verbessert in ihrem Haltungsbild ist dennoch mangelnde Koordination, Fußarbeit und Stand zueinander festzustellen. Trotzdem sind Sie mir positiv durch eine gewisse Gelassenheit, mit Übersicht tanzend aufgefallen.
Wie immer bot der TSC Rot Weiss Mainz der Landesmeisterschaft einen hervorragenden Rahmen.
Erfahrene Ausrichter, die alle drei Turniere reibungslos abwickelten, perfekt durchorganisiert.
Wir kommen gerne wieder.
gez
Peter Müller

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