
23.11.2008
Weltmeisterschaft Professionals Standard
Ein Bericht von Heiko Kleibrink
Mehrfacher Deutscher Meister Professional Standard
Mehrfacher Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
Karabeys im Finale der Weltmeisterschaft
Das prestigeträchtigste Turnier der Welt, die Profi Standard Weltmeisterschaft, wurde von dem besten Organisationsteam der Welt, der Ausrichtergemeinschaft, TS Breuer /TS Lepehne-Herbst veranstaltet. In einem der schönsten Säle Deutschlands, dem Ballsaal des Bonner Maritim, tanzten 41 Paare um die Krone des Profitanzsports. Matthias Fronhoff führte als Turnierleiter erfrischend schwungvoll durch den rundum gelungenen Galaball. Auf einen Superlativ darf man sich in Bonn immer freuen:
Das begeisterungsfähigste Publikum, das sich ein Tänzer wünschen kann.
Ein von Matthias und Oliver Wessel-Therhorn zusammengeschnittener Einspieler zu Beginn des Balles zeigte, untermalt von einer himmlischen Musik, die Weltmeister der vergangenen Jahre. Alleine dafür hat es sich gelohnt zu erscheinen. Eine große Enttäuschung aller Tanzsportfans war die Abwesenheit der englischen Spitzenpaare. Selbst der angereiste englische Wertungsrichter konnte diese zum Teil auch Verbandspolitische Entscheidung nicht nachvollziehen. Wer nicht tanzt kann zwar nicht verlieren, aber genauso wenig gewinnen.
Zum engeren Favoritenkreis zählten demnach die zwei Spitzenvertreter aus Italien, darunter der Titelverteidiger; die zwei amerikanischen Vertreter, beides Blackpool-Finalisten und zu guter Letzt unsere deutschen Spitzenpaare Sascha & Natascha Karabey und Stanislaw Massold & Christine Deck.
Letztere waren für mich die größte Überraschung des Abends. Sie waren ein echter Hingucker. Mit viel Ausstrahlung unterstrichen von Christines wunderschönen Kleidern. Unfassbar, dass sie hier ihr WM-Debüt gaben. Sie ließen sich zu keinem Zeitpunkt von der starken Konkurrenz beeindrucken. Im Gegenteil; im Semifinale meldeten sie ihre berechtigten Finalansprüche an. Mit einem fulminantem Quickstep, ihrem besten Tanz an diesem Tag, beendeten sie das Semifinale. Jetzt hieß es Daumen drücken. Leider verpassten sie das Finale nur hauchdünn und ertanzten sich in diesem Fall den undankbaren 7. Platz.
Meiner Meinung nach unverständlich, dass die internationale Jury dem Vorjahresfinalisten Domen Krapez & Monica Nigro aus Slowenien den Vortritt gab. Erwischten diese doch einen rabenschwarzen Tag. Klare Fehlbesetzung für das Finale.
Schon vor dem Finale brachten Franco Formica und Oxana Lebedew, mit ihrer fantastischen Lateinshow den Saal zum Kochen. Neun Jahre ist es jetzt her, als Giselle und ich 1999 als letztes deutsches Paar ein Profi WM - Standardfinale erreicht hatten, damals unterlagen wir nach hartem Kampf und 2 zu 3 Tänzen den Amerikanern Wilkins / Demidova. Diese Durststrecke wurde jetzt endgültig und hoffentlich für eine lange Zeit überwunden.
Sascha und Natascha Karabey untermauerten ihre guten Ergebnisse des Jahres und machten mit dem Einzug in das WM-Finale ihren Aufstieg in die absolute Weltspitze perfekt. Sie reihten sich hinter vier aktuellen Blackpoolfinalisten auf Rang fünf ein. Hört sich gut an. Wer da war konnte aber sehen, dass der 4. Platz in greifbarer Nähe war. In puncto Bewegungsgröße konnten es Sacha & Natascha mit allen vorderen Paaren locker aufnehmen. Die viertplatzierten Italiener wirkten im direkten Vergleich hingegen sehr kurz und verhalten in ihren Schwüngen.
Alter und neuer Weltmeister der Profis in der Standardsektion wurden
Mirko Gozzoli und Alessia Betti aus Italien. Wer die beiden kennt, bemerkte, dass sie an diesem Abend etwas unmotiviert tanzten, vielleicht ist es der derzeitige Mangel an echter Konkurrenz. Technisch outstanding hätten sie mühelos alle Einsen bekommen müssen. Trotzdem gab es einen Wertungsrichter, der sogar eine 4 zog ( man kann sich auch selbst disqualifizieren). Ihr bester Tanz war ihr Siegertanz. Dieser Quickstep war wieder mit übersprudelnder Lebensfreude vorgetragen. Ein Genuss für alle Tänzerherzen.
Neuer Vizeweltmeister wurden Arunas Bizokas & Katusha Demidowa aus Amerika. Ein schönes Paar mit einem sehr eleganten Tanzstil. Für mich die Ausdrucksstärkste Dame des Abends. Ihre beste Runde war das Semifinale. Leider war im Finale ein wenig die Luft raus und der von vielen erhoffte Zweikampf um den Titel blieb aus.
Die Bronzemedaille ertanzten sich, ebenfalls aus Amerika, Victor Fung & Anna Mikhed. Was hat sich dieses Paar in den letzten 3 Jahren entwickelt wow. Im Finale zeigten sie tanzen vom Feinsten und waren damit ihren Landsleuten verdammt dicht auf den Fersen. Jede Zwei in ihrer Wertung war hochverdient.
Mit einigem Abstand zum dritten Platz endeten Domenico Soale & Gioia Cerasoli auf den 4. Rang. Ihr erster WM-Auftritt war etwas enttäuschend. Seit ihrem Übertritt ins Profilager geht es mit ihrer Entwicklung nicht so richtig voran. Bis auf Tango und Quickstep wirkte ihr Tanzen kurz und verhalten.
Nach der Siegerehrung ehrte der Deutsche Professional Verband
Oliver Wessel-Therhorn für seine beispiellose Karriere als Tänzer und Lecturer mit der „Goldenen Ehrennadel“, der höchsten Ausszeichnung des DPV.Karl Breuer, Präsident des DPV und Ehrenpräsident des Weltverbandes, ließ es sich nicht nehmen, persönlich die Verleihung vorzunehmen.
Mit den Worten "Dein Kopf besteht nur aus Tanzen" umschrieb Karl Breuer liebevoll,wie man Oliver erlebt, wenn man mit ihm zusammen arbeitet. Letztendlich sind es aber nicht seine tänzerischen Erfolge allein weshalb man ihn ehren muss. Es ist der Mensch selbst, seine Persönlichkeit, die diese Ehrung dringend erforderlich machte.
Meine herzlichen Glückwünsche,
euer Heiko Kleibrink
Finale
1.
Mirko Gozzoli - Alessia Betti (Italien)
2. Arunas Bizokas - Katusha Demidova (USA)
3. Victor Fung - Anna Mikhed (USA)
4. Domenico Soale - Gioia Cerasoli (Italien)
5. Sascha Karabey - Natascha Karabey (Deutschland)
6. Domen Krapez - Monica Nigro (Slowenien)
Semifinale
7. Stanislaw Massold - Christine Deck (Deutschland)









