
04.04.2009
Deutsche Meisterschaft Professionals Latein
ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
Night of the proms!
So ein Wertungsgericht hatte die Tanzwelt lange nicht gesehen.
Sage und schreibe 264 Meistertitel, gebündelt in nur 7 Lichtgestalten des Tanzsports betraten das Parkett und sorgten für tosenden Applaus.
Was dem Fussball sein Beckenbauer gab es im
Düsseldorfer Maritim gleich in mehrfacher Ausführung: Andrea Beer; Karl Breuer; Patsy Hull-Krogull; Ralf Müller; Wolfgang Opitz; Rudolf Trautz; Carmen Vincelj
Und eine weitere Lichtgestalt des Showbiz erhellte den wunderschönen Ballsaal: Hugo Strasser und sein Orchester.
Das unbestritten beste Tanzorchester der Welt machte seinem Ruf alle Ehren und spielte sowohl für das fachkundige Publikum, als auch zum Tanzturnier auf.
Und die Ausrichtergemeinschaft Matthias Fronhoff und Ingo Woite warteten mit weiteren Highlights des Tanzsports auf.
Das zur Zeit beste deutsche Standardpaar, die WM- und EM-Finalisten Sascha und Natascha Karabey, demonstrierten tanzen auf höchstem Niveau und verzauberten das gesamte Ballpublikum mit ihrer 5-Tänze Show.
Wer nun glaubte, dass dies nicht mehr zu toppen war der hatte sich getäuscht.
Was zwischen Endrunde und Kürrunde folgen sollte war einer dieser seltenen und unwiederbringlichen Momente, an die man sich sein gesamtes Tänzerleben erinnern wird. Mit bebender Stimme kündigte Matthias Fronhoff den talentiertesten Standardtänzer seiner Zeit an: Oliver Wessel-Therhorn mit der perfekten Partnerin Natascha. Was folgen sollte war eine Tanz-Demonstration par excellence. Oliver präsentierte in Gedenken an Bill und Bobby Irvine deren original Show-Tänze. Minutenlange Standing Ovations.
Oliver auch wenn du für Bill und Bobby getanzt hast, so galten die Ovationen ausschließlich dir. Du hast dir selbst zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt.
Formica/Lebedew verteidigen souverän Ihren Meistertitel

Die letzte Wertung des abends unterstrich die Dominanz
der Titelverteidiger Franco Formica & Oxana Lebedew.
Mit der Traumwertung von 7 Mal der 6,0 in der A- und
der B-Note blieben sie auch in der Kür, dem sechsten
Tanz des Finales, outstanding. Von den 42 möglichen
Einsen gaben sie lediglich eine Eins in der Rumba ab.
Franco und Oxana gehören zur absoluten Weltspitze
und sind bereits jetzt für viele Experten das beste
Lateinpaar auf diesem Erdball. Ich weiß nicht aus
wie vielen Billionen Zellen Francos Körper besteht,
aber jede Einzelne davon lebt Tanzen. Ein Jahrhunderttalent.
Oxana ist eine nicht minder talentierte Weltklasse Dame,
die längst aus dem Schatten von Franco getreten ist.
Uneinigkeit zeigte sich in den Wertungen über die Vergabe der Silber- und Bronzemedaille.
Ein hochspannendes Kopf an Kopf Rennen lieferten sich Markus Homm/Ksenia Kasper mit Evgenij Voznyuk/Oksana Nikiforova. Völlig unterschiedliche Stile der beiden Paare machten es dem Wertungsgericht nicht leicht und spaltete es zu Beginn in zwei Lager. Erst in der Rumba konnten sich Markus und Ksenia deutlich absetzen und sogar den Titelverteidigern die einzige Eins abluchsen. Ihre Leistung in dieser Rumba wurde lediglich noch von ihrer fantastisch getanzten Kür übertroffen. Das war Latein pur bis in die Haarspitzen. Für mich die beste Paarharmonie des Abends. So musikalisch, so künstlerisch, so gefühlvoll, so wow.
Auf den Bronze-Rang tanzten die Vizemeister des Vorjahres,
Evgenij und Oksana. Präsent vom ersten Tanz an,
zogen sie die Blicke des Publikums auf sich. Ihre ungeheure
positive Ausstrahlung strotzte vor Selbstbewußtsein.
Evgenijs unendliche Power und Dominanz ließen Oksana
teilweise etwas blass erscheinen. Ihre Kür "Fluch der Karibik"
war hervorragend vertanzt und die Musik sehr gut geschnitten.
In einem direkten Vergleich mit der früheren Interpretation
von Max und Yulia könnten sie ohne weiteres mithalten.
Auf den undankbaren 4. Platz tanzten sich die Neuprofis
Jesper Birkehoj/ Anastasiya Kravchenko. Trotz vereinzelter
Zweien und Dreien in der Wertung konnten sie in diesem Turnier
noch nicht in den Kampf um die Medaillenplätze eingreifen.
Trotzdem war jede bessere Wertung auch als Wink für die
Zukunft zu verstehen. Ihr Highlight des Abends war ihre sehr
gefühlvolle Kür. Hier zeigten sie ihr bestes Tanzen.
Schade, dass Jesper und Anna nicht schon früher in das
Profilager wechselten. Mit Sicherheit hätten sie sich dann
schon zum heutigen Zeitpunkt etabliert gehabt und der Kampf
um die Medaillen wäre noch spannender geworden.
Hinter diesem einmaligen Spitzenquartett, um das uns jedes andere Land sicherlich beneidet, entbrannte ein heißer Kampf um die Plätze 5-7.
Auf den verdienten fünften Platz kamen
Martin Schurz/Sofia Bogdanova. Martin und Sofia
verbuchten die wenigsten Siebener-Wertungen auf ihr Konto
und konnten sogar zwei Vieren ergattern. In ihrer neuen
Kür "Zufällige Begegnungen" mixten sie eine
geniale Musik mit choreographischen Glanzleistungen.
Den 6. Platz belegten die sympathischen
Dennis Tischmacher und Melissa Ortiz-Gomez.
Sie Präsentierten sich austrainiert und sehr zielstrebig. Ihre Kür zu spanischen Gitarrenklängen war sehr musikalisch umgesetzt.
Es wäre mit Sicherheit mehr drin gewesen für
Anton Ganopolskyy und Nataliya Magdalinova, die den 7. Platz
erreichten. Anton und Nataliya präsentierten sich hervorragend
in der Vorrunde und konnten auch noch zu Beginn des Finales ihre
guten Qualitäten zeigen. War es die Enttäuschung über
die Wertung, oder fehlte zum Ende hin einfach die Kraft? Selbst ihre
mitreißende Kür konnte zum Schluss nicht mehr
tänzerisch überzeugen.
Ich danke allen Paaren, Hugo Strasser, Sascha und Natascha und nicht zuletzt Oliver für diesen unvergesslichen Abend.
Finale:
1. Franco Formica / Oxana Lebedew (Berlin)
2. Markus Homm / Ksenia Kasper (Nürnberg)
3. Evgenij Voznyuk / Oksana Nikiforova (Kassel)
4. Jesper Birkehoj / Anna Kravchenko (Karlsruhe)
5. Martin Schurz / Sofia Bogdanova (Bonn)
6. Dennis Tischmacher / Melissa Ortiz-Gomez (Freiburg)
7. Anton Ganopolsky / Nataliya Magdalinova (Ludwigshafen)
Semifinale:
8. Federico Slemties / Stephanie Thoms (Hannover)
9. Wladislaw Lalafarjan / Vanessa Held (Duisburg)
10. Reini Nissl / Reneta Pawlik (München)
11. Marcus Schäfer / Evelyn Krosta (Düsseldorf)
12. Sascha und Svetlana Doskotz (Bielefeld)
13.-14. Andre Distler / Sybille Schaffer-Distler (Rodgau)
13.-14. Mario Schiena / Sabine Sommer (Leverkusen)
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