
03.10.2009
Deutschland Pokal Standard Senioren III
ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
Deutschlandpokal der Senioren III oder
das beste Wertungsrichter-Ausbildungssystem der Welt
Zurecht kann sich der DTV mit dem besten Ausbildungssystem für Wertungsrichter rühmen. Nirgendwo sonst wird so intensiv fachlich und überfachlich geschult wie in Deutschland.
Trotzdem kommt es aufgrund der Masse an Turnieren und der dadurch noch größeren Zahl an benötigten Wertungsrichtern manchmal vor, dass sehr fragwürdige Einzelwertungen abgegeben werden, die weder mit Länderwertung noch mit Vereinswertung in Verbindung gebracht werden können.
Zum Glück behält sich in solch einem Fall der Verband vor diverse „Schwarze Schafe“ aus gewissen Töpfen zu nehmen.
Quasi „auf Eis gelegt“ hat dieser Wertungsrichter dann genug Zeit sich erneut mit den Wertungskriterien intensiv auseinander zusetzen. Diese notwendige Maßnahme, so hat es den Anschein, greift sehr schnell und gut bei diversen Jugend- und Hauptgruppe-Meisterschaften.
Wirft man einen Blick auf die Senioren-Meisterschaften, dann beschleicht einen das Gefühl, dass hier die Auswahl der Wertungsrichter beziehungsweise die Überprüfung der abgegebenen Wertungen nicht ganz so streng wie vielleicht nötig kontrolliert wird.
Trotz des ausgeklügelten Majoritätssystem, in der die Meinung eines Einzelnen Wertungsrichters eigentlich ein Gesamtergebnis nicht komplett verzerren dürfte, ist bei einem Ranglisten-Turnier der Senioren genau dieses 2009 passiert.
Der amtierende GOC-Sieger bekam von 4 Wertungsrichtern alle und von einem Wertungsrichter 0 Kreuze.
Mit den insgesamt 20 Kreuzen durfte sich das Paar die Finalrunde ansehen.
In erster Linie natürlich sehr beschämend für den unqualifizierten Wertungsrichter, zum anderen führen solche Ergebnisse zu einer gewissen Turnier-Verdrossenheit bei eigentlich sehr motivierten und ambitionierten Tänzern. Mit der Folge, dass weniger Paare Turniere tanzen und damit letztendlich auch den Veranstaltern sprich Vereinen ein nicht unerheblichen finanzieller Verlust entsteht.
Aufgrund meiner Erfahrungen gehören die Senioren-Turniere immer mehr zur verlässlichen Stütze für Veranstalter und sorgen zudem für eine hervorragende Stimmung.
Somit haben es auch die Seniorenpaare verdient, dass man ihnen zumindest bei den „wichtigen“ Turnieren durch ein fachkundiges Wertungsgericht die nötige Anerkennung zollt.
Was für ein Krimi!!!
Kurz vor Bekanntgabe der letzten und alles entscheidenden Wertung hätte man eine Stecknadel in der
riesigen Halle des TSC Brühl im BTV 1879 fallen hören können.
Nur eines war den vielen Zuschauern klar, dass nämlich nichts wirklich klar war.
Mit einem fulminanten Start sicherten sich Hans-Arnold und Heidi Büscher, die GOC-Sieger und frisch gebackenen TNW-Landesmeister, den Langsamen Walzer. Den Tango mussten sie trotz 3 Einsen an Stefan und Heike Riese, den Vorjahres Zweiten, abgeben.
Das Blatt wendete sich wieder im Wiener Walzer zu Gunsten von Hans-Arnold und Heidi.
Im Foxtrott hätten sie nun alles klar machen können, wenn, ja wenn nicht Oliver Luthardt und Brigitte Kessel-Döhle, die bis dahin auf dem dritten Rang lagen, kräftig aufholten und mit 3 Einsen diesen Tanz für sich entschieden. Damit lagen Hans-Arnold und Heidi zwar immer noch auf dem ersten Platz, aber Stefan und Heike waren damit bereits eingeholt und lagen nun platzgleich mit Oliver und Brigitte auf dem zweiten Rang.
Nun wartete der ganze Saal gespannt auf die alles entscheidende Quickstep-Wertung. Alle drei Paare hatten den Gesamtsieg in greifbarer Nähe.
Dann die Wertung: 3 Einsen für Hans-Arnold und Heidi ( trotzdem nur Platz 3), 4 Einsen für Oliver und Brigitte (1. Platz) und keine Eins, aber genügend Zweien für Stefan und Heike ( Platz 2).
Richtiger Jubel brach daher nur bei Oliver und Brigitte aus, die diesen Tanz für sich entschieden hatten. Ansonsten herrschte allgemeine Ratlosigkeit im Publikum. Akribisch rechneten die Mathematiker unter den Anwesenden mit dem Protokoll um die Wette. Und das Unglaubliche schien sich zu bewahrheiten. Nach einem 4. Platz im Langsamen Walzer haben Oliver und Brigitte mächtig aufgeholt und sich die Platzgleichheit mit Hans-Arnold und Heidi erkämpft.
Also mussten die Einzelwertungen herhalten. Insgesamt konnten Hans-Arnold und Heidi 15 Einsen Oliver und Brigitte lediglich 11 Einsen für sich verbuchen. Trotzdem zu wenig für eine Majorität.
Daher wurden noch alle Zweien hinzugezogen. Hier konnten Oliver und Brigitte 8 Zweien, Hans-Arnold und Heidi lediglich 5 Zweien ihr Eigen nennen.
Dies bedeutete einen Wimpernschlag-Sieg mit 20 zu 19 Wertungen für Hans-Arnold und Heidi Büscher.
Platz 6: Michael und Hannelore Koops
Als sechstes Paar gingen sie in dieses wohl stärkste DP III Finale aller Zeiten.
Alleine diese Finalteilnahme war ein herausragendes Ergebnis für Michael und Hannelore.
In den Kampf um die vorderen Plätze konnten sie noch nicht eingreifen.
Platz 5: Günter und Jutta de Koster
Als drittbestes Paar (mit insgesamt 31 Kreuzen) zogen sie in das Finale ein.
Die beiden erwischten einen fantastischen Abend und konnten ihrem schärfsten Konkurrenten Christian Böhm und Elisabeth Striegan-Böhm viele Einzelwertungen abnehmen. In ihrem Paradetanz dem Quickstep konnten sie sogar eine Zwei und eine Drei für sich verbuchen.
Platz 4: Christian Böhm und Elisabeth Striegan-Böhm
Mit 30 Kreuzen zogen sie in das Finale ein. Die strahlenden Sieger der vergangenen Jahre zeigten an diesem Abend wahre Größe.
Trotz einer für sie mehr als enttäuschenden LW-Wertung, wo sie ihre einzige Eins erhielten, kämpften sie tapfer bis zum Schluss. Wichtig für so ein großartiges Paar ist es, sich nach einem so niederschmetterndem Ergebnis nicht selbst zu zerfleischen.
Platz 3: Stefan und Heike Riese
Als einziges Paar zogen sie mit allen 35 Kreuzen in das Finale ein.
Für mich ist es ein Phänomen, wie harmonisch Stefan das Paar erscheinen lässt, obwohl ein Heben und Senken in den Fußgelenken bei Heike faktisch nicht vorhanden ist. Ihr bester Tanz war der Tango schon alleine deswegen, weil hier ein Heben und Senken nicht benötigt wird. Vielleicht wären sie als Paar in diesem Feld sogar unschlagbar, wenn sie ihr sichtbares Problem in den Griff bekommen würden.
Platz 2: Oliver Luthardt und Brigitte Kessel-Döhle
Als fünftes Paar gingen sie in dieses Finale.
Jung, frisch, unbekümmert, so könnte man dieses attraktive Paar in Kurzform beschreiben. Neben den Siegern haben sie die rasanteste Entwicklung in diesem Jahr hinter sich. Ihr packender Zweikampf mit Hans-Arnold und Heidi hat uns schon einen kleinen Vorgeschmack auf die zukünftigen Meisterschaften gegeben. Weiter so.
Platz 1: Hans-Arnold und Heidi Büscher
Am Ziel ihrer Träume. 2007 standen sie vor ihrer wichtigsten Entscheidung: Die Tanzschuhe an den Nagel hängen oder der Übertritt in die Senioren III.
Alles lief auf ein Ende der Tanzkarriere hin. Das letzte Turnier sollte ein IDSF Senioren II Turnier in Spanien sein. Auf dem Treppchen, während der Siegerehrung, sagte Hans-Arnold dann aber zur Heidi: „Ich kann nicht mit dem Tanzen aufhören.“
Diese tiefgreifende Erkenntnis war der Grundstein für ihren beispiellosen Aufstieg. Es wurde nicht mehr verbissen trainiert, sondern nur noch aus Freude getanzt. Und der Erfolg gibt ihnen Recht.
Herzlichen Glückwunsch den GOC-Siegern, TNW-Landesmeistern und DP-Siegern 2009.
Semifinale: Volkmar und Renate Jahn
Die beiden tanzten ein hervorragendes Turnier und boten sich neben Koops ebenfalls für das Finale an.
Allen Teilnehmern meine Gratulation,
euer Heiko
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