
28.03.2009
Europameisterschaft Professionals Kür Standard
ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
Foto: privat
Reuter/Niemann Vize-Europameister
Am Samstag den 28.3.2009 schaute die Tanzwelt auf Freiburg. Die schöne Stadt am Schwarzwald war Veranstaltungsort der Kür-Standard Europameisterschaft.
Wer keine Karten mehr für den wunderschönen
Freiburger Konzertsaal ergattern konnte (die Veranstaltung war restlos ausverkauft), musste sich mit der Live-Übertragung des SWR zufrieden geben.
Was die 1200 Gäste geboten bekamen war atemberaubend. Auf drei Tanzflächen spielten Live-Bands zum Tanz auf. Und diese Offerte wurde bis in den frühen Morgen ausgiebig genutzt.
Die Initiatoren des Super-Events waren das Team der
Tanzschule Gennaro & Cristian. Vor allem Alexander Cristian, der als Turnierleiter souverän durch das Turnier führte, ist bei dem Freiburger Publikum und allen Tänzern noch in guter Erinnerung. Mit seiner Ehefrau Andrea feierte er an gleichem Ort die Bronze-Medaille bei der DM Kür-Latein 2002.
Für einen Tänzer war der erste Blick auf die Startliste ein wenig enttäuschend. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Top-Paare auf den internationalen Kür-Wettbewerben tummelten.
Gerne erinnert man sich an die Kür-Weltmeister Hiltons, Giorganni/Manfredini, Pino/Bucciarelli etc., aber das fachkundige Publikum sollte trotzdem voll auf seine Kosten kommen.
Zur Abendveranstaltung hatten sich 11 Paare (von insgesamt 13 Paaren) qualifiziert, darunter drei deutsche Paare.
Neben den Deutschen Meistern Reuter/Niemann und den Vizemeistern Rohne tanzten auch Peter Müller mit seiner Ehefrau Tatjana. Nach Peters erster sensationellen Profikarriere mit Elke Maibauer (10-Tänze Europameister) tanzt er nun mit Tatjana für die Ukraine. Die enorme tänzerische Qualität und Routine von Peter und die hohe Beweglichkeit und Leichtigkeit von Tatjana machten sie für mich zu einem klaren Finalpaar.
Leider verpassten sie hauchdünn um ein Kreuz das Finale. Sie wählten für ihre Darbietung betont ruhige Musik, wodurch ihre Stärken gut hervorgehoben wurden. Vielleicht fehlte dem Wertungsgericht ein wenig die Dynamik und das Feuer als Kontrast.
Unseren Deutschen Vize-Meistern Boris und Madeleine erging es nicht viel besser. Mit nur einem Kreuz zum Finale (vom deutschen Wertungsrichter) wurden sie mit ihrer "Romeo & Julia" Kür Zehnte.
Sie boten alles was eine gute Kür braucht, ein Thema, ein passendes Outfit und gut geschnittene Musik. Alle Passagen in denen sich Boris und Madeleine nicht in Tanzhaltung befinden sind perfekt vertanzt. Und trotzdem fehlt in diesem internationalen Feld einfach das nötige Rüstzeug eines Standardtänzers. So muss man sagen, dass eigentlich nichts wirklich schlecht lief, die anderen Paare tanzten an diesem Abend einfach besser.
Zum ersten Mal überhaupt starteten Simon Reuter und Julia Niemann für Deutschland bei einer Europameisterschaft. Bereits in den ersten Runden präsentierten sie ihre sehr gefühlvolle Kür "Emotions" mit einer enormen Souveränität. Tänzerisch konnten sie es mit jedem anderen Paar aufnehmen. Ihre weichen fließenden Bewegung liessen Erinnerungen an die Baricchis wach werden.
Mit allen möglichen Kreuzen zogen sie in ihr erstes EM-Finale. Das Los entschied, dass sie als erstes Paar im Finale auf das Parkett mussten. Ohne Anzeichen von Nervosität tanzten sie fehlerfrei und mit ungeheurer Leidenschaft.
Besonders Julia überzeugte mich an diesem Abend mit ihrer Ausstrahlung und ihrer perfekten Ergänzung zu Simon.
Durch einen Eklat wurden sie Vize-Europameister und mussten sich nur dem italienischen Geschwisterpaar Cravero geschlagen geben.
Doch was war geschehen?
Die Top-Favoriten auf den Titel, Ruslan und Olena Golovashenko aus der Ukraine, wurden im Finale disqualifiziert.
Disqualifikation gibt es nur bei Regelverstössen, aber wie kann es einem so routinierten Kür-Paar (Vize-Europameister, 3. Platz WM) passieren nicht in den Regeln zu sein???
Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass in der Kür-Probe ein Lift zu viel getanzt wurde. Daraufhin wurden Ruslan und Olena von dem russisch/italienischem Invigilatoren-Gespann ermahnt.
In den ersten Runden soll dann laut Aussage der Invigilatoren alles regelkonform gewesen sein, nur im Finale hätten Ruslan und Olena dann wieder eine Hebefigur mehr als erlaubt gezeigt.
Auf diesen Regelverstoss hin angesprochen beteuern diese aber in allen drei Runden exakt die selbe Kür getanzt zu haben. Kann ein Paar so abgebrüht sein und zwei Runden alles richtig tanzen, um dann im Finale eine nicht erlaubte Figur einzubauen?
Oder war hier gar ein Komplott der russisch/italienischen Invigilatoren im Gange um das russisch/italienische Paar Tataranni/Kolobova, die durch eigene Leistung nur den vierten Platz erreichten, im nach hinein noch auf das Treppchen zu heben?
Diese Fragen werden sich wohl nie klären lassen. Auf jeden Fall werden sich aber alle Paare noch einmal die Kür-Regeln gründlich zu Gemüte führen.
Sicher ist sicher!
Mit tanzsportlichen Grüssen,
Heiko Kleibrink
Finale:
1. Fabrizio und Lorena Cravero (Italien)
2. Simon Reuter / Julia Niemann (Deutschland)
3. Alessandro Tataranni / Alla Kolobova (Russland)
4. Jernej Brenholc / Daniela Pekic (Slowenien)
5. Stefano Soldati / Annalisa Longo (Italien)
6. Pawel Sobieszek / Anna Bocian (Poland)
7. Ruslan und Olena Golovashchenko (Ukraine)
Semifinale:
8. - 9. Manfred und Anastasia Stiglitz (Großbritannien)
8. - 9. Peter und Tatiana Müller (Ukraine)
10. Boris und Madeleine Rohne (Deutschland)
11. David Carrillo / Laia Benet (Spanien)
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