21.03.2009

Deutsche Meisterschaft S-Latein, Saarbrücken

 

ein Bericht von Holger Nitsche

Weltmeister Latein Amateure

Tanzsporttrainer A

 

 

 

 


Die diesjährige Meisterschaft in der Sonderklasse Latein fand einen würdigen Rahmen in der imposanten interner Link folgtSaarlandhalle in Saarbrücken. Ich selbst erlebte ein kurzes „deja vu“, da mich dieser Anblick an meinen ersten Europameistertitel erinnerte, welchen ich zusammen mit meiner Partnerin Charlotte Egstrand hier gewonnen hatte. Nach langem muss ich sagen hatte ich wieder einmal den Eindruck die Gesamtleistung der Paare ist deutlich verbessert. Selbst eine Vorrunde zeigte schon Qualität und dies sollte sich bis zum Einzug ins Finale so stetig fortsetzten. Mit viel Spannung und Erwartungen ging man in diese Meisterschaft, da im Vorfeld sich einiges an der Spitze getan hatte. Der Verlauf des Abends bestätigte prompt diese Erwartung…

 

 

 



1.)    Timo Kulczak und Motshegetsi Mabuse


Der Gewinn des Deutschen Meistertitels war sicherlich ein ganz grosser Moment für die beiden sympathischen Pforzheimer, auf den sie schon sehr lange gewartet und manchmal schon gar nicht mehr daran geglaubt haben. Mit 5 klar gewonnen Tänzen entschieden sie die Meisterschaft eindeutig für sich. Ich persönlich hätte den Zweikampf der ersten beiden Paare enger gesehen. Während die ersten beiden Tänze ganz dem Temperament von Timo und Motshegetsi entsprechen und verdient gewonnen waren, hätte ich ab Rumba bis Jive eine zumindest differenziertere Stellungsnahme der Wertungsrichter erwartet. Sehr positiv ist mir eine deutlich, bis ins Finale anhaltend, höhere Konzentration der beiden aufgefallen.(speziell bei Timo) Dies ist eine schöne Entwicklung und bringt viele internationale Vorteile. Als tänzerischen Verbesserungsvorschlag wünsche ich mir einen koordinierteren Oberkörper. (speziell Arme)

Ich wünsche Euch beiden für die anstehenden internationalen Aufgaben alles Gute und gratuliere Euch zu einer verdient gewonnenen Meisterschaft.

 

 

 

 

2.)    Jesper Birkehoj und Anna Kravchenko

„Was dem einen Freud ist dem andern Leid“ Die beiden konnten an diesem Abend sicherlich nur enttäuscht sein, denn einen Meistertitel abzugeben, den man viele Jahre innehatte, tut sehr weh! Nachdem ich aufmerksam die Landesmeisterschaft beobachtet hatte muss ich sagen, dass sie bei der DM noch mal richtig versucht hatten anzugreifen. Diese tänzerische Einstellung hat mir sehr gut gefallen. Speziell die Rumba und der Jive waren an diesem Abend die für Euch charakteristischsten Tänze und hätten auf jedenfall ein paar mehr Einsen verdient. Jedoch war das „Rädchen“ schon gedreht. Tänzerisch würde ich mir mehr durchlässige Körperaktionen wünschen, welche ein volleres Bewegungsvolumen erzeugen.
Das Rad der Geschichte lässt sich bekanntlich nicht zurück drehen und ich bin mir sicher, dass ihr mit Eurer Entscheidung zu den Profis zu wechseln wieder viel neue Impulse und Motivation bekommt.

Vielen Dank für Eure vorbildhaft gelebte Meisterrolle!!!

 

 

 

 

3.)    Sergey und Viktoria Tatarenko

Auf dem dritten Platz und das hochverdient kamen Sergey und Viktoria. Das für mich stilistisch schönste und „feinste“ Paar in diesem Finale. Hier trifft wirklich das Prädikat „Tänzer“ zu und es macht richtig Spaß den beiden zuzuschauen. Ob die noch teilweise unauffällige Raumpräsenz international überall Bestand hat mag ich zumindest im Moment noch zu bezweifeln. Jedoch wer Euch mal entdeckt hat honoriert sicherlich das filigrane Tanzen. Ich wünsche mir noch etwas mehr Bezug zum klassischen Latein Tanzen mit den dazu gehörenden Aktionen, jedoch bin ich mir sicher, dass ihr Euren Weg geht.

Ihr habt mich an diesem Abend begeistert. Danke schön!!!

 

 

 

 

4.)    Massimo Sinato und Tanja Kuschill

Massimo und Tanja sind zweifelsohne das schillerndste und auffälligste Paar in diesem Feld, zumindest was schon mal das Auftreten angeht. Ihr Tanzen ist stets spannungsgeladen und aufregend, jedoch manchmal in der Dosierung nicht fein abgestimmt. Weniger ist manchmal mehr und zuviel Kraft zerstört die Schönheit einer Bewegung. Ihr letztendlich vierter Platz in diesem starken Finale war vollkommen ok und lässt noch vieles erwarten. Ich persönlich würde mir wünschen, dass die Konzentration in der nächsten Zeit in ein besseres Verständnis von Timings und Körperkoordination geht. Leider hat sich seit letztem Jahr in dieser Hinsicht nur wenig verbessert.

Auf geht`s …Ihr habt das Zeug dazu!!!

 

 

 

 

5.)    Christoph Kies und Blanca Ribas Turon

Der 5.Platz ging an Christoph und Blanca. Aus ihrer Sicht eine sicherlich grosse Enttäuschung und unerwartet, da sie ja immerhin im Vorjahr schon Dritte waren. Ich persönlich fand diese Platzierung vollkommen ok und bin ehrlich gesagt enttäuscht von ihrer Leistung. Technisch haben sie sich die letzten Jahre stetig weiterentwickelt, jedoch Tanzen ist nicht nur Technik!!! Wo bleibt die Begeisterung? Wo bleibt die Faszination den Zuschauer in den Bann zu ziehen? Ich vermisse die innere Beteiligung und den Mut mal aus der „comfort-zone“ auszubrechen. Blanca wirkte an diesem Abend sehr langsam und sichtlich beeindruckt durch die Wertung.

Also ihr beiden. Ich bin mir sicher da ist noch mehr drin. Toi toi toi

 

 

 

 

6.)    Gennady Bondarenko und Elena Zverevshikova

Der letzte Platz im Finale war vacant und für mich anfänglich nicht klar, wer ihn einnehmen wird. Im Verlauf des Finals jedoch stellte sich heraus, dass die Richtigen ihn besetzt hatten. Gennady und Elena sind 2 äußerst talentierte und bewegliche Tänzer mit viel Einsatz und sichtbarem Spass an der Bewegung. Die beiden bringen neuen Wind in dieses Finale und ich bin mir sicher, dass sie den ein oder anderen davor noch ins Schwitzen bringen werden. Manchmal sind für mich Bewegungen speziell in Bezug auf den Partner nicht nachvollziehbar. Ein klareres Verständnis der Tanzinhalte wäre für mich ein gelungener Verbesserungsansatz.
Ich freue mich auf Eure Entwicklung. Macht weiter so!!!
Alles in allem muss ich sagen war es eine gelungene Meisterschaft mit allen Inhalten, die eine Meisterschaft braucht. Erfreulich zu guter Letzt die vielen jungen Talente, vor allem im Semifinale.

 



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