
09.08.2009
TSTV Trophy Standard Bad Kissingen
ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
„Mit Musik geht alles leichter!“
(aber am besten tanzt man, wenn man sie ignoriert!)
Alle Top-Referenten der intensiven Wertungsrichter Erhaltschulung in Bad Kissingen
waren sich einig (in diesem Punkt): Das beste Tanzen ergibt sich aus der Symbiose einer perfekten Technik und authentischer Tanzmusik, die den Charakter des Tanzes in Gänze widerspiegelt. Dies wurde während der mehrstündigen Schulung von 4 Top-Paaren des DTV auf beeindruckende Art und Weise demonstriert.
Am Abend fand ein Einladungsturnier Standard um die TSTV-Trophy statt. Durch die unbeschreibliche Kulisse des Kurtheaters in Bad Kissingen fühlte man sich sofort in die „Gute Alte Zeit“ zurückversetzt, wo solch ein Gala-Ball-Turnier noch die Regel und nicht die Ausnahme darstellte. Das sehr elegant gekleidete Publikum genoss ebenfalls , wie die Paare, sichtlich das Flair und die Live-Musik des Ballroom Orchestra unter der Leitung von Dr. Jaroslav Drasil. Es fand sich alles was Rang und Namen hat ein. So gaben sich der DPV-Präsident Karl Breuer und seine liebe Gattin Isolde, sowie der DTV-Präsident Franz Allert, der TSTV-Präsident Sony Schöneberger, der Bundestrainer OWT und viele, viele mehr die Ehre.
Ein Blick in die Startliste versprach allerdings auch ein Augenschmaus höchster Güte. Neben dem zurzeit besten Amateurpaar der Welt, Benedetto Ferrugia und Claudia Köhler, folgten auch Simone Segatori und Annette Sudol, vierte der Europameisterschaft, der Einladung. Und es warteten noch vier weitere Paare der deutschen Top 8 auf.
Aufgrund der räumlichen Enge tanzten maximal vier Paare in einer Runde. Das vergrößerte das optische Vergnügen auf Seiten der Zuschauer ungemein und gab zudem den Paaren eine längere Verschnaufpause.
Wie gesagt es vergrößerte das optische Vergnügen - das Gehör wurde hingegen arg strapaziert, jedoch nicht von der Live-Band. Man wollte vermutlich kein Risiko eingehen und hat eigens für das Turnier einen DJ beauftragt, der sich sogar den gesamten Lehrgang über das Thema: „Mit Musik geht alles besser“ angehört hatte.
Leider hatte Herr KR aus H die gesamte Musik schon vor dem Lehrgang zusammengestellt und stand nun vor einem Dilemma. Seine Musikstücke wurden zwar während des Lehrganges oft zitiert, aber meist nur als negative Beispiele.
Daher ging von unserem Bundestrainer, als hätte er etwas geahnt, folgende Bitte an alle Wertungsrichter aus:
„Bei schlechter Musik unter keinen Umständen das Paar am höchsten bewerten, welches am besten diese Musik vertanzt. Sondern vielmehr die Ohren zuhalten und sehen wer am schönsten die jeweilige Charakteristik des Tanzes umsetzt.“
Lieber Bundestrainer,
vielen Dank für diese Worte zu uns Wertungsrichtern. Im Namen der Aktiven kann ich nur sagen, dass Tänzer bei schlechter Musik sowieso mental die Musik ausblenden und nach ihrer eigenen inneren Musik tanzen (z.B.: UK), aber trotzdem ist es sehr beruhigend, wenn Wertungsrichter das auch wissen und nicht glauben man wäre unfähig die gespielte Musik umzusetzen.
Zurück zum Turnier:
Es waren 11 Paare angetreten, von denen man ernsthaft sieben Paaren für das Finale Kreuze geben konnte. Diesen Paaren kann man bescheinigen, dass sie definitiv nicht die Musik umgesetzt haben die aus den Lautsprechern schallte. Gott sei Dank!
Anschlusspaar wurden Alexander Einfinger und Juliane Strehmann. Sie sind sehr natürliche Mover, die zu meiner Überraschung auch einen sehr guten Tango zeigten. Sie gehörten für mich leistungsmäßig zu der Dreiergruppe Platz 5-7. Einzig ihr Wiener Walzer fällt noch ein wenig zu den anderen beiden Paaren ab.
Auf den 6. Platz kamen für mich überraschend Michael Wenger und Melanie Ahl. An diesem Abend hatte ich sie relativ klar auf dem 5. Platz gesehen. Sie zeigten ein sehr elegantes Tanzen und sind eine sehr attraktive Erscheinung auf der Fläche. Im Tango verloren sie leider ihre Ruhe und verloren somit ihren Style.
Mit teilweise sehr starken Passagen überzeugten Steffen Zoglauer und Sandra Koperski die Mehrheit der Wertungsrichter und belegten einen klaren 5. Platz. In diesem jungen Paar steckt ungeheuer viel Potenzial. Zum Ende der Tänze wirkte Sandra an diesem Tag jedoch etwas erschöpft, wodurch die Bewegung nicht mehr so frei war.
Das Duell um Platz 3, war zugleich das Duell der ehemaligen Deutschen Jugendmeister. An diesem Abend endete es zugunsten von Valentin Lusin und Renata Busheeva. Aber Anton Skuratov und Alena Uehlin, (Platz 4) sind ihnen ganz dicht auf den Fersen. Valentin und Renata wirkten in ihrer gemeinsamen Bewegung und in ihren Shapes schon etwas ausgereifter, hingegen zeigten Anton und Alena hervorragend starke Füsse und damit verbunden eine fantastische Musikalität.
Die zur Zeit besten Standard-Paare von Deutschland Benedetto und Claudia (1. Platz), sowie Simone und Annette (2. Platz) schenkten sich auf diesem Einladungsturnier nichts. In allen Belangen tanzten diese beiden Paare in einer anderen Welt. Ansporn genug für die Nachwuchspaare noch mehr und härter zu trainieren.
Mit allen Einsen konnten Bene und Claudia souverän das Turnier gewinnen und die TSTV-Trophy in Empfang nehmen.
Zuletzt hatte ich beide Paare auf der DanceComp in Wuppertal gesehen und ich hätte dieses Ergebnis wiederum 100% nachvollziehen können, wäre ich nicht selbst dabei gewesen. Benedetto und Claudia zeigten an diesem Abend nicht ihre normale Leistung, obwohl sie während der Schulung nur wenige Stunden zuvor fantastisch demonstriert hatten.
So muss ich als Tänzer/Künstler sagen, dass mich zum ersten Mal das Tanzen von Simone und Annette während des Turniers mehr berührt hat. Speziell ihre musikalische Interpretation von dem LW und Slow Foxtrott hat mich sehr beeindruckt. Ihr Tanzen war an diesem Abend einfach satter, voluminöser und musikalischer als bei ihren direkten Konkurrenten. Somit waren sie auch die Sieger meines Herzens.
P.s.:
Objektiv gesehen finde ich es nicht weiter schlimm, wenn ein Rekordsieger wie der FC Bayern auch ein Mal ein Spiel verliert, wenn die andere Mannschaft besser spielt.
In jedem Sport gibt es Tagesformen. Im Tanzen mit Sicherheit auch.
Andererseits konnte ich es auf den Tod nicht ausstehen wenn mich jemand geschlagen hatte. Daher würde ich als Kölscher Zuschauer sagen: „Man muss auch gönne könne!“
Aber als Benedetto würde ich natürlich sagen: „ Es wird nichts gegönnt!“
Mit tanzsportlichen Grüssen,
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Heiko