
02.05.2009
Weltmeisterschaft Senioren II Standard
ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
Lindner verteidigen Weltmeistertitel
War die Konkurrenz gedopt? Nicht erst seit den Disqualifikationen einiger prominenter Tanzsportler wird das Thema Doping in unserem Sport heiß diskutiert. Auffallend ist, dass gerade Spitzensportler überführt werden konnten. Also Paare, die unter enormen Leistungsdruck stehen und bei einem Sieben-Runden-Turnier einer riesigen körperlichen Belastung ausgesetzt sind. Betrachtet man die Liste der verbotenen Substanzen wird einem erstmals bewusst wie viele Mittel und Wege Athleten und deren Betreuer bereits ausprobiert haben müssen. Fakt ist, dass alles was mir einen Vorteil gegenüber meiner Konkurrenz verschafft gegen den Ehrenkodex des Fairplay verstößt.
Erleichtert nahm ich bei der Finalrunde der Weltmeisterschaft der Senioren II in Platja d`Aro zur Kenntnis, dass selbst die italienischen Paare konditionelle Schwächen zeigten.
Immerhin war dies für alle Finalisten die siebte Runde und die 14. Stunde des Wettkampfes.
Hut ab vor dieser Leistung!
Dennoch wirkte folgende Handlung einer einzelnen Dame auf viele Mitstreiter sehr befremdlich: Kurz vor dem Finale wurde ein Spritzenbesteck gezückt, welches kurzerhand im Mund verschwand und dann wieder eingepackt wurde. Angeblich eine schon des öfteren beobachtete Praxis dieser Dame, die dazu dienen soll die Mundpartien mit Hilfe des Nervengifts Botox zu liften.
Wenn einem Tänzer die Gesichtszüge entgleisen ist dies für die Präsentation höchst unvorteilhaft. Die Frage die sich mir stellt, ist das Nachhelfen mit Nervengift noch Fairplay, oder verschafft man(Frau) sich dadurch schon einen erheblichen optischen Vorteil?
Genützt hat es allemal etwas. Durch das etwas mehr Schein als Sein gelangte das Paar sogar in das WM-Finale. Nicht alle Juroren ließen sich blenden, aber leider noch genug.
Michael und Beate Lindner die alten und neuen Weltmeister sind eine Klasse für sich. Völlig unbeeindruckt von der hart kämpfenden Konkurrenz um sich herum tanzten sie leicht und unbeschwert auf. Es war so angenehm zu sehen, mit welch geringem Kraftaufwand sie mühelos Höchstschwierigkeiten absolvierten. Dieses elegante Tanzen stand im krassen Gegensatz zu den Zweitplazierten. Hier konnte der Herr nur mit enormen Krafteinsatz seine Dame über die Fläche schieben.
Völlig unterbewertet wurden Bernd Farwick und Petra Vossholz(Platz 5). Ihnen hätte der Vizeweltmeister-Titel eher zugestanden. Zumindest eine Medaille hätte für die beiden kraftvollen Tänzer herausspringen müssen. Bis zur letzten Sekunde des Finales zeigten sie keinen Moment der Schwäche. Ihre enorme Ausstrahlung machte sie bereits ab der ersten Runde zu klaren Medaillenaspiranten.
Sehr erfreulich aus deutscher Sicht war der Wiedereinzug von Raymund Reimann und Antje Schulz in das Finale(Platz 6). Sie tanzten sechs Runden lang auf höchstem Niveau und boten sich daher auch klar für einen vorderen Finalplatz an. Leider übersäuerten sie in der Endrunde total und konnten sich gerade noch auf den sechsten Platz retten. Sehr sehr schade, aber beim im nächsten Jahr werden sie für die Finalrunde sicher besser gewappnet sein.
Das gleiche Schicksal ereilte auch Claus und Britta Halfmeier. Das große elegante Paar stand bereits mehrfach im Finale der Weltmeisterschaft. Sie zeigten bis zum Wiener Walzer des Semifinales erneut ihre große tänzerische Qualität. In den letzten beiden Tänzen lief dafür nichts mehr. Konditionell angeschlagen verpassten sie den Einzug nur knapp und belegten den neunten Platz.
1 Lindner, Michael - Lindner, Beate Germany
2 Valenta, Walter - Maurer, Irmtraud Austria
3 Destri, Roberto - Lentini, Giuseppina Italy
4 Mannello, Luciano - Presti, Patrizia Italy
5 Farwick, Bernd - Voosholz, Petra Germany
6 Reimann, Raymund - Schulz, Antje Germany
7 Lazzareschi, Bruno - Zotta, Ida Italy
...
9 Halfmeier, Claus - Halfmeier, Britta Germany
Abschließend ein riesiges Kompliment an den Veranstalter und sein Orga-Team. Das gesamte Turnierwochenende war für die Paare perfekt gestaltet worden. Genügend Umkleiden und Sitzplätze für die Athleten, verlässlicher Zeitplan, sowie ein perfekter Boden und wunderschöne Musik.
Einzig und allein wäre für die Senioren Weltmeisterschaft 2010 in Platja d`Aro zu überlegen die ersten beiden Runden auf einen Tag und die verbleibenden Runden auf den Folgetag zu legen. Damit würde die Leistung aller Finalpaare mit Sicherheit bis zum letzten Tanz auf einem höheren Niveau bleiben.
Mit tanzsportlichen Grüßen
Heiko Kleibrink
zurück zu den Turnierberichten 2009

Anzeige im Ergebnisdienst