
03.07.2010
danceComp Wuppertal
IDSF Open Standard
ein Bericht von Heiko Kleibrink
Deutscher Meister Professional Standard
Deutscher Meister Professional Kür Standard
Finalist WM Professional Standard
R-E-S-P-E-K-T ?!?
Fehlanzeige!!!
Spitze Ellenbogen treffen mit voller Wucht in das ungeschützte Gesicht einer jungen
Dame. Mit Anlauf springt ein außer Rand und Band geratener Mitmensch einem
friedlichem Paar von hinten in den Rücken.
Hier handelt es sich nicht um Ausschreitungen einiger Fußballchaoten nach
dem WM-Halbfinalspiel in Afrika.
Nein, Ort des Geschehens war die
historische Stadthalle in Wuppertal.
Anlass: das IDSF Adults Standard am 3.7.2010.
Es kocht in mir noch immer die Wut hoch, wenn ich an dieses respektlose und
menschenverachtende Verhalten einiger Tänzer denke. Im Artikel 1 unseres
Grundgesetzes heißt es: Die Würde des Menschen ist unantastbar!!! Und die Stadthalle in
Wuppertal ist kein rechtsfreier Raum.
Würde nur einer dieser Rüpel in gewissen Berliner oder Kölner Bezirken dieselben
Attacken gegen Mitmenschen verüben, würden sie sich mit großer Wahrscheinlichkeit im
Krankenhaus wieder finden.
Daher plädiere ich dafür, zumindest bei den großen IDSF Wettkämpfen, dem Turnierleiter
die Macht zu geben bei groben Verstößen gegen die Menschenwürde gelbe und rote
Karten zu verteilen.
In der Vergangenheit war nicht alles schlechter. Der englische Tanzstil herrschte vor,
zugegeben ein wenig langweilig, aber die Einstellungen und Handlungen der Tänzer
spiegelten großen Respekt vor den anderen Tänzern wider.
Liebe Trainer, so traurig das auch klingen mag, wenn die Kinder nicht von selber darauf
kommen weil sie es im Elternhaus nicht vorgelebt bekommen haben, dann müssen wir
ihnen die Grundverhaltensweisen beibringen.
Opfer der massiven Zusammenstöße waren nicht nur minderbegabte A-Tänzer, welche
sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten. Auch unsere amtierenden
Weltmeister, Benedetto Ferruggia und Claudia Köhler, wurden nicht verschont.
Trotz alledem konnten sie in bestechender Form wie bereits im Vorjahr die danceComp
mit allen 65 Einsen gewinnen. Zur Zeit kann ihnen niemand auf der Welt das Wasser
reichen. Durch dieses Wissen bestärkt treten Benedetto und Claudia mit einer solchen
Souveränität und Gelassenheit auf, dass es schon fast wieder unheimlich ist. Ihnen gelingt
zur Zeit einfach alles, von den gezeigten Höchstschwierigkeiten bis hin zur perfekten
Basic.
Von den insgesamt 158 gestarteten Paaren hatten vier weitere deutsche Paare eine sehr
gute Chance in das Finale einzuziehen. Das waren zum einen Steffen Zoglauer und
Sandra Koperski (11.Platz), die mit ihrem schnellen quirligen Tanzstil an die italienischen
Ausnahmetänzer Giorgianni/Manfredini erinnern. Leider konnten sie ihren letztjährigen
Finalerfolg nicht wiederholen. Auch Paul Lorenz und Ekaterina Leonova (8.Platz),welche
am Vortag souverän das Rising Star Standard Tunier gewinnen konnten, boten sich
selbstbewusst für das Finale an . Laut Aussage von Paul war das Rising Star nur zum
Aufwärmen gedacht und diese Entscheidung kristallisierte sich als goldrichtig heraus. Paul
und Ekaterina drehten an diesem Abend vollends auf und zeigten ihr bis dato schönstes
und eindrucksvollstes Tanzen.
Fest mit der Endrunde gerechnet hatten die Vorjahres Vierten Anton Skuratov und Alena
Uehlin (7.Platz). Anton und Alena befinden sich zur Zeit in einer Metamorphose und
krempeln ihren kompletten Tanzstil um. Das braucht mit Sicherheit noch ein wenig Zeit,
aber es wird sich auf alle Fälle in der Zukunft auszahlen. Nur ist dadurch leider ihre
Unbekümmertheit und ihre überschaÅNumende jugendliche Art zu tanzen verloren
gegangen. Bitte liebe Alena und lieber Anton besinnt euch auch bei allem Neuen was ihr
lernen dürft auch auf eure Stärken der Vergangenheit.
Von unserem deutschen Nachwuchs-Quartett konnten sich somit nur Valentin Lusin und
Renata Busheeva für das starke Finale qualifizieren. Als fünftes Paar zogen sie in die
Endrunde ein und mit dem fünften Platz beendeten sie auch das Turnier, trotz 3 vierter
Plätze in LW, WW und SF. Aber sie ließen den Kontakt zur Spitze nicht abbrechen. In allen
Tänzen überzeugten sie zwischen 4 und 6 Wertungsrichter von ihrer hohen tänzerischen
Qualität und bekamen zu Recht insgesamt 24 Zweien und Dreien. Dies spricht eine
deutliche Sprache. Und deutlich müssten so langsam auch einmal ihre Trainer werden,
welchen Weg Valentin und Renata in Zukunft einschlagen sollten.
Vergleicht man die tänzerische Entwicklung unserer Deutschen Meister Benedetto und
Claudia mit der von Valentin und Renata, so fällt sofort die enorme Verbesserung von
Claudia auf und die somit gestärkte Harmonie in der gemeinsamen Bewegung. Bei
Valentin und Renata kann man aufgrund ihrer geteilten Aufmerksamkeit auf Standard/
Latein/10Tänze in ihrer Paradedisziplin Standard den selben positiven Trend leider nicht
erkennen. Das Potenzial für eine Spezialisierung ist deutlich vorhanden, es müsste nur
rechtzeitig genutzt werden.
1. Benedetto Ferruggia / Claudia Köhler Germany
2. Siergiu Rusu / Dorota Makar Poland
3. Martin Dvorak / Zuzana Silhanova Czech Republic
4. Giuseppe Longarini / Valentina Basili Italy
5. Valentin Lusin / Renata Busheeva Germany
6. Simone Carabellese / Lucia Cafagna Italy
...
7. Anton Skuratov / Alena Uehlin Germany
8. Paul Lorenz / Ekaterina Leonova Germany
...
11. Steffen Zoglauer / Sandra Koperski Germany
euer Heiko
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