12.11.2010

Deutsche Meisterschaft Professionals Standard

 

ein Bericht von Heiko Kleibrink

Deutscher Meister Professional Standard

Deutscher Meister Professional Kür Standard

Finalist WM Professional Standard

 

 

 

 

Deutsche Meisterschaft Professional Standard

 

 

12.11.2010

 

Ein markerschütternder Aufschrei gellt durch ganz Deutschland!!! Das bis dato sich immer

schneller und verrückter drehende Deutsche Tanz-Karussell kommt für einen kurzen

Moment komplett zum Erliegen. Es herrscht fassungslose Stille. Oliver verlässt seine heiss

geliebte Bühne. Der Vorhang fällt zum letzten mal. Kein tosender Applaus. Nur eine

lähmende Leere bleibt zurück. Der letzte Kämpfer für ein harmonisches und respektvolles

Miteinander aller Deutschen Tänzer durfte sein letztes großes Gefecht nicht mehr zu ende

kämpfen. Gott warf das Handtuch in den Ring und holte seinen Liebling zu sich, als wollte

er Olivers in den letzten Jahren so stark geschundene Seele schonen. Denn er kämpfte

als Beirat für den DPV und als Bundestrainer für den DTV. Aber vor Allem kämpfte er für

die Bewahrung der Tradition seines Ziehvaters Bill Irvine. Ein Kampf an nur allen

erdenklichen Fronten, ein Kampf gegen Windmühlen. Seine Ziehkinder werden ihre Kräfte

bündeln müssen um sein hinterlassenes Erbe durch die stürmische Zeit hindurch retten zu

können.

 

 

12.11.2010

 

Die Gäste im „Milchwerk“, dem Kongresszentrum von Radolfzell am Bodensee, erlebten

eine rauschende Ballnacht.

Zum ersten Mal richteten Christian und Daniela Seidel ein Profi-Turnier aus. Und was

kann ich sagen die Premiere war mehr als gelungen. Die Zuschauer ließen sich nicht

lange bitten und bedachten die 11 angereisten Paare bereits in der Vorrunde mit tosendem

Applaus. Die bezaubernde Daniela Seidel führte souverän und höchst unterhaltsam durch

den kurzweiligen Abend. Liebe Daniela und lieber Christian, bitte mehr davon!!!

Wie professionell die DPV-Mitglieder während dieser für viele sehr schweren Stunden

waren zeigte auch ihr vorbildliches Verhalten auf dem Parkett. Die Gäste wurden nicht in

die tiefe Trauer der Paare eingebunden und konnten somit einen unvergessenen Abend

erleben. Liebe Paare ihr habt meinen vollen RESPEKT und ich weiß, dass auch Oliver es

nicht anders gewollt hätte.

 

Aus 16 wird 11

Trotzdem ist es für mich immer noch unerträglich, wenn es nicht ein Mal unsere kleine

Familie schafft zusammenzustehen. „Nichtanmelden“ ist für einen Veranstalter immer noch

weniger bitter und schmerzhaft, als seinem Publikum verkünden zu müssen, dass fast ein

Drittel der im Programmheft gelisteten Paare nicht antreten.

 

Das Finale

Platz für Neue! Gleich die Hälfte des Finales 2009 trat nicht mehr an. Die drei

verbliebenen Paare schafften alle erneut den Sprung in die Endrunde.

Unverständlich blieb das Abschneiden von Einfinger/Strehmann. Mit Platz 7 hielten sie

zwar Anschluss an das Finale, aber ihre unübersehbare Entwicklung des letzten Jahres

ließen sie zu einem klaren Finalanwärter reifen. Weiter arbeiten, gutes Tanzen setzt sich

auf Dauer immer durch.

 

Platz 6

Was für ein bestechender Look! Mit der am Abstand perfektesten Haltung des Abends,

zumindest in der ersten Hälfte der Tänze, boten sich Schäfer/Ciechowski nicht nur für das

Finale an. Auch eine höhere Platzierung speziell in den langsamen Schwungtänzen wäre

in der Endrunde sogar zwingend gewesen, ja wenn die Leistung konstant geblieben wäre.

Hier fehlte es nicht an Können, sonder nur an Kondition. Schade.

 

Platz 5

Wow, wow, wow, was für ein talentiertes Paar. Alleine bei der Betrachtung der Füsse von

Kies/Ribas Turon geht einem Tänzer das Herz auf. Ein perfekter Bewegungsablauf und

eine hervorragende Paarbalance runden das Bild ab. Mit diesen fantastischen

Eigenschaften können sie im Profi-Lager in Zukunft wahrlich alles erreichen.

 

Platz 4

Klisan/Hahn zeigten über alle drei Runden eine sehr konstante Leistung und überzeugten

am meisten mit ihrem sehr druckvollen und satten Tango. In den Schwungtänzen zeigten

sie viel Mut zur Bewegung und Shapes.

 

Platz 3

Rüdiger Homm. Unbestritten seit Jahren eins der größten Deutschen Talente im

Standardbereich. Talente besitzen einfach etwas animalisches, einen Instinkt für das

Richtige. So blitzten bei Homm/Triscuka im Finale immer wieder Gänsehaut-Passagen

auf. In ihrer sehr melancholischen Kür platzte endgültig der Knoten und sie zelebrierten

förmlich Tanzen auf Weltniveau. Das war höchst professionell. Das war einfach nur zum

genießen. Vielen Dank!

 

Platz 2

Die Shooting-Stars der Profi-Szene, das Geschwisterpaar Rehder, übertrafen auf ihrer

ersten Deutschen Profimeisterschaft alle Erwartungen. Ihr unbekümmertes Tanzen steckte

nicht nur die Ballgäste an. In ihrer Kür „Cabaret“ avancierte Jasmin sogar zum absoluten

Publikumsliebling. Tolle Show!

Man darf gespannt sein wie schnell ihr Siegeszug auch auf internationalem Parkett seinen

Lauf nehmen wird. Die UK wird es zeigen.

 

Platz 1

Unsere frisch gebackenen Vize-Europameister Sascha und Natascha Karabey standen, wie ich selber, sichtbar unter

Schock. Ich konnte nur zu gut mit ihnen fühlen. Ich bin stolz auf euch, dass ihr trotzdem für

Oliver getanzt habt und ihm damit den höchsten Respekt gezollt habt. Die 42 Einsen

sprechen Bände und daher ist unter diesen Umständen auch nichts weiteres mehr

hinzuzufügen.

Ich lade alle Paare herzlichst dazu ein mich bei eventuellen Fragen oder einer

gewünschten tiefergehenden Beurteilung anzuschreiben.

 

undefinedEuer Heiko

 

 

P.s.:

Freedom to dance heisst für mich auch als Wertungsrichter völlig unabhängig von

Verbänden, Funktionären und persönlichem Geplänkel meine bescheidene Meinung

abgeben zu können und dies konnte ich tun und habe es getan.

 

 

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