
26.02.2011
Landesmeisterschaft Baden-Württemberg S-Latein
ein Bericht von
Anastasiya Kravchenko
Mehrfache Deutsche Meisterin Amateure Latein
Europameisterin Profi Kür Latein
Die diessjährige Baden-Württembergische Landesmeisterschaft HGR S Latein fand im
Kongresszentrum in Böblingen statt. Viele namhafte Tänzer haben schon auf diesem Parkett Ihr Bestes gegeben. Eine gelungene Veranstaltung, mit sehr viel Wärme, wunderschönem Ambiente und toller Atmosphäre hat auch dieses Jahr das tanzbegeisterte Publikum nicht enttäuscht. Für mich persönlich ist es schön zu sehen, dass mehr und mehr Veranstalter Wert darauf legen Tanzsport als eine Abendveranstaltung zu präsentieren, denn das ist auch das wo der Tanzsport hin gehört.
Was den generellen Eindruck von diesem Abend angeht, musste ich meine Meinung ganz genau abwägen, ob ich die Entwicklung in dem Sport den wir lieben für richtig oder für weniger richtig halte. Wenn man die Fakten betrachtet dass im Vergleich zum letzten Jahr in dem noch 23 S Klassen Paare am Start waren, dieses Jahr auf der Fläche die Anzahl der Paare (12), der Anzahl der Wertungsrichter (11) extrem nah kommt, müsste man fast behaupten irgendwas läuft nicht ganz in die richtige Richtung. Aber nun mal zu den Leistungen:
Von der ersten Sekunde an haben drei Paare keine Zweifel daran gelassen, dass die drei mit einem großen Abstand zu den restlichen Teilnehmern das Turnier beherrschen. So wurde dies später auch in den Augen der Wertungsrichter betont.
- Nikita Bazev/Marta Arndt, TSC Astoria Stuttgart (5)
Für mich an dem Abend absolute Favoriten. Die Beiden haben es verstanden eine klare Rollenaufteilung zwischen Mann und Frau darzustellen. Gefühlvolles, ehrliches Tanzen. Nikita war an dem Abend als Mann sehr dominant, was ich leider nicht von allen Turnieren die ich von den beiden gesehen habe behaupten kann. Führung und Musikalität spielt in dem Paar eine große Rolle, soll jedoch nicht davon abhalten Körperbewegungen bis ins kleinste Detail auszutanzen. Marta ist eine wunderbare Dame, manchmal wünschte ich mir sie würde ihre Qualitäten, nicht auf Emotionen und Unterstützung von Ihrem Partner begrenzen. Um in die Weltklasse vor zu stoßen sollte ihre Bein-Fußarbeit noch weiter entwickelt werden.
- Marius-Andrei Balan/Nina Bezzubova, Schwarz-Weiß-Club Pforzheim (10)
Dieses Paar bietet zu jedem Zeitpunkt klares, lesbares Tanzen an, was mit sehr viel Kraft und Energie verbunden ist. Auf einer großen Fläche hat das eine positive Auswirkung. Für eine Abendveranstaltung mit 2 Runden wirkt dieses Merkmal jedoch etwas übertrieben. Etwas Feingefühl und bessere Körperposition bei ihm und etwas mehr Rückenbewegung bei ihr, würden dem Paar nicht nur optisch gut tun. Bei dem Potenzial was die beiden haben, wäre es interessant zu sehen wie die Wirkung wäre wenn die beiden eine Gemeinsamkeit und Paarbezogenheit entwickeln würden.
Zu überdenken wäre ob das für den Betrachter ein Störfaktor ist, das Paar nicht nur tanzen zu sehen sondern dauerhaft zu hören.
- Pavel Zvychaynyy/Sarah-Sophie Ritz, TSC Astoria Karlsruhe (15)
Diese zwei junge Tänzer haben sich zu einem schönen, erwachsenen, attraktiven Paar mit eigener Persönlichkeit entwickelt, mit viel Gefühl für Musikalität, Spontanität und Partnering. Beide haben sie sich was die Bewegungsqualität angeht verbessert. Trotz deren Größe, wirkt das Tanzen filigran und graziös.
Der Herr reduziert leider sein Körperrhythmus zu stark, bei der Dame wird die Beinmuskulatur zu wenig eingesetzt, allerdings wenn die beiden auf dem richtigen Weg bleiben, genug Geduld habe und sich und dem eigenen Stil treu bleiben und sich weiter entwickeln, haben sie eine große Zukunft vor sich...
- Gennady Bondarenko/Ilona Cutenco, Schwarz-Weiß-Club Pforzheim (20)
Bei dem Paar lautet das Motto: POWER. Man sieht dass sehr viel Wert auf Optik und Auffälligkeit gelegt wurde. Leider fehlt extrem viel Hintergrund und Tiefgründigkeit, sowie Feinheit der Bewegung. Die Dame versucht dem Herren Konkurrenz in Energie und Kraft zu machen, wodurch die Bein/Fußarbeit leiden. Klare Aufgabenaufteilung zwischen Mann und Frau würde diesem Paar nicht schaden. Mehr Liebe zum Detail sowie Ehrlichkeit und Natürlichkeit würde der Dame helfen mehr Weiblichkeit in ihr Tanzen zu bekommen.
Bei den beiden würde ich gerne behaupten: Weniger ist mehr.
- Ilia Russo/Marina Sergeeva, Casino-Tanzsportclub Baden-Baden (25)
Ein neues Paar mit viel Potenzial. Was die Beiden in der recht kurzen gemeinsamen Zeit auf der Fläche zeigen, möchte ich als „normales“ schönes Tanzen bezeichnen. Heute, muss das für viele leider kein Kompliment sein, für mich jedoch ist das sehr wichtig dass die Entwicklung von Anfang an den richtigen Weg geht und ich finde die beiden haben es verstanden und versuchen dementsprechend nicht die eigene Entwicklung zu überholen. Ich freue mich dieses Paar in ein paar Monaten auf der Fläche wieder zu sehen wenn die Turniererfahrung etwas größer geworden ist. Der Herr könnte etwas mehr von der eigenen Körperbewegung in den Vordergrund bringen. Der beste Tanz an diesem Abend war mit Abstand der Paso Doble.
- Andreas Cibis/Viktoria Kleinfelder, TSZ Stuttgart-Feuerbach (31)
Für mich ist das extrem schwer dieses Paar und deren Stärken zu beschreiben, und dies ist genau der Punkt den ich aufgreifen würde. Die Optik bei den beiden spielt eine sehr große Rolle, auch technisch und rhythmisch haben sie sich zu dem Jahr davor sehr verbessert. Im Großen und Ganzen ein sympathisches, schönes Paar. Jedoch, könnte es sein, dass wenn der Herr sich etwas mehr um die eigene Dame kümmern würde, könnte das paarbezogenes Tanzen einer ihrer Stärken werden??? Die Dame könnte Ihre eigene Persönlichkeit extremer in den Vordergrund stellen.
- Anatoliy Novoselov/Tasja Schulz, Schwarz-Weiß-Club Pforzheim (34)
Um die Qualität dieses Paares in dem Maß zu erkennen in dem die es besitzen, sollte man länger hin schauen. Leider bleibt den Wertungsrichtern nicht immer genug Zeit dafür. Die beiden haben deren Grundlage sehr verbessert, leider wirkt das Paar viel zu oft unauffällig und dadurch in einem größeren Feld leicht zu übersehen. Für mich sind die beiden auf dem richtigen Weg und haben die richtigen Prioritäten ausgesucht. Mit etwas mehr Energiewechsel und klaren musikalischen Betonungen könnten sie es dem Wertungsrichter leichter machen sie und ihre Qualitäten zu sehen.
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Anastasiya Kravchenko